
Der Ausgang einer jeder Bewegung ist die Idee. Somit ist allein eine Organisation ebenso wertlos, wie eine noch so gute Idee, die nie verwirklicht wird. Tatsächlich wird aber heute der Glaube vertreten, nur eine realpolitische nationale Partei ohne weltanschauliche Grundlage könne wesentliche Veränderungen im politischen System erzwingen.
Eine Idee ist an die Persönlichkeit gebunden, der Wert einer Idee hängt von der geistigen Kraft ihres Erschaffers ab. Keine Befähigung und keine Kraft ist seltener als die, Ideen zu erfinden. Unsere Auffassung der Welt und unseres eigenen Selbst, alle die Vorstellungen und Gedanken, in denen wir leben, sind eben so sehr das Werk Einzelner, wie die Entdeckung, dass sich die Erde um die Sonne bewegt. Diese Entdeckung war die geschichtlich nachweisbare Tat eines bestimmten Mannes an einem bestimmten Tag.
Wird eine Idee in die Tat umgesetzt, wird sie geordnet, organisiert und realisiert - dann hängt der dauerhafte Erfolg der Organisation immer davon ab, wie nahe die tragenden Persönlichkeiten der eigentlichen Idee verbunden bleiben.
Im politischen Kampf wird nicht um die einzelne Idee, sondern um die Weltanschauung gerungen. Das Prinzip aber bleibt - die Organisation kann die Ziele umso weniger erreichen, wie sie sich mehr und mehr von ihren eigentlichen Anschauungen entfernt.
Die Rom-Kirche hat sich durch Jahrhunderte halten können, weil ihr Gedankengehalt, ihre Werte und zum Teil wenigstens auch ihre persönliche Lebensführung eine längere Zeit ein einziges Ganzes bildeten. Erst in dem Augenblick, wo die Abweichungen von diesem Ganzen nicht mehr Einzelfälle waren, sondern zu Symbolen des Verfalls wurden, fielen Teile der Rom-Kirche ab und wurden zu revolutionären Volksbewegungen.
Von der Verwahrlosung des Mönchtums und des Papsttums sind irgendwie alle protestantischen Revolutionen ausgegangen unter dem Hinweis darauf, dass eben dieses Leben der Päpste und Mönche nicht dem entsprach, was im Neuen Testament einmal als christliche Lebenshaltung festgelegt worden und in der Forderung der Armut und Askese als Lebensgesetz der Kirche ausgegeben worden war.
Unter diesem gleichen nicht zu entrinnenden Gesetz steht jede politische Bewegung und erst recht eine Partei, die einst angetreten ist, um die grundlegenden Lebensinteressen des deutschen Volkes neu zu erkämpfen. Denn das bedeutet nicht nur einen völligen Umbruch, sondern eine vollkommene Abkehr vom bisherigen System, welches das deutsche Volk erst in Not und Elend gestürzt hat.
Und daher ist es umso wichtiger, auf dem Weg von der Idee zur Organisation und von dort zur Neuformung Deutschlands diese neuen Ideen und Werte nicht nur zu verkünden - sondern täglich zu leben und neu zu erkämpfen.
Die Partei muss in ihrer großen Gesamtheit eine Lebenshaltung einnehmen, die die ersehnte Zukunft schon in der Gegenwart darstellt - werden Abweichungen davon von der einzelnen Erscheinung zum Symptom der Parteiorganisation, sind sie in dieser Form ebenso eine politische Gefahr für das deutsche Volk, wie die gegnerischen Systemparteien.
Eine Organisation bindet die Menschen auch nicht durch ihr Dasein, ihre Ziele oder ihr Programm, sondern durch die Taten der von einer großen Idee beseelten Persönlichkeiten und deren Anhänger. Eine Organisation ohne große Idee und ohne echte Persönlichkeiten verkümmert am Ende in einem vom Selbstzweck getragenen jämmerlichen Dasein; das gleiche Schicksal droht, wenn die einst tragende Idee in der Wirklichkeit längst untergegangen ist.
"Eine Weltanschauung hat jeder deutsche Bauer: denn mag seine Welt noch so begrenzt sein, er ist genötigt und geübt, sie mit nie nachlassender Spannkraft zu betrachten und zu befragen; irrt sein Urteil, so hat er nichts zu beißen. Weil er ihr angehört, so gehört sie ihm an. Die Begrenztheit seiner Erkenntnisse wird reichlich aufgewogen durch ihre unmittelbare Bedeutung."
H. St. Chamberlain
Ebenso ist es auch im politischen Leben - dort allerdings verhungern diejenigen nicht, die zwar "organisieren" wollen, dabei aber glauben, auf eine gemeinsame Weltanschauung als Träger eines ganzen Ideengehaltes verzichten zu können, sondern versinken bedeutungslos im Wohlgefallen des Systems.
Will eine Idee Gestalt werden, muss sie sich organisieren. Hier entsteht gleichzeitig die Gefahr:
"Ein großes Übel in den Wissenschaften, ja überall, entsteht daher, dass Menschen, die kein Ideenvermögen haben, zu theoretisieren sich vermessen, weil sie nicht begreifen, dass noch so viel Wissen dazu nicht berechtigt".
J. W. Goethe
Erst recht entsteht eine solche Gefahr, in Bewegungen, die von den Gesetzen der Mehrheiten abhängig sind - diesen Gedanken zu vernachlässigen, ohne vorher auf der Grundlage einer Weltanschauung als verbindende Idee typenbildend prägend geworden zu sein, heißt eben auch, keine dauerhafte Form finden zu können, in der die Idee staatstragend ist.
Das ist auch der Grund, warum es heute ohne Erfolg bleiben muss, unter dem Prozess der parlamentarischen Demokratie, der zur Entfremdung der ursprünglichen Ziele führen muss, je länger und zunehmend erfolgreicher er geführt wird, nach einer Neugestaltung der Lebensinteressen des deutschen Volkes zu streben.
16.07.09

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nicht wichtig
17.07.09 um 08:11
antworten
Sehr gut geschriebener Text.
Heiko
19.07.09 um 12:32
antworten
Was ist, wenn es in bestimmten Regionen eben keine Persönlichkeiten (mehr) gibt? Die besten Leute sind gegangen und kommen nie wieder. Hier rächt sich die Geburtenverweigerung der deutschen Frau. Wenn von 1000 Kindern ein Denker dabei ist, und heute in 10 Jahren in bestimmten Regionen 1000 Kinder geboren werden, wo vor 20 Jahren noch in einem Jahr 1000 Kinder geboren worden sind, dann gibt einen das nicht viel Hoffnung.
Hier kann man nur auf die durchschlagende Kraft der Krise hoffen. Vielleicht findet der ein oder andere, der seine Heimat einst der Arbeit wegen verlassen hat, und diese nun wieder verliert, den Weg zurück in die alte Heimat!
Hier ist aber auch jeder selbst gefordert, mehr aus sich zu machen. Wenn eben nur noch wenige da sind, dann müssen diese Wenigen mehr leisten. Ich bin gespannt.