Türkei fürchtet Zyperns erneutes Veto

Türkei fürchtet Zyperns erneutes Veto

Gut einen Monat nach dem Machtwechsel in der "Türkischen Republik Nordzypern" sind die Gespräche über eine Wiedervereinigung der seit Jahrzehnten geteilten Mittelmeerinsel wieder aufgenommen worden. Rasche Ergebnisse werden nicht erwartet - was vor allem der Türkei große Sorgen bereitet, die befürchtet, dass der ungelöste Zypern-Konflikt der türkischen EU-Bewerbung schon bald endgültig den Garaus machen könnte.

Zypern liegt seit Jahrtausenden im Vorfeld der Auseinandersetzung zwischen Europa und Asien – schon um 700 vor der Zeitrechnung lieferten sich Phönizier mit Assyrern und Ägyptern Kämpfe um die Insel. Bis 58 vor der Zeitrechnung war sie im Besitz der hellenischen Ptolemäer, wurde dann bis 395 römisch, bis 1191 byzantinisch, zeitweise selbstständig und 1571 türkisch. 1878 übernahm England die Verwaltung, hob nach Beginn des 1. Weltkrieges das türkische Hoheitsrecht auf und machte Zypern 1925 zur Kronkolonie.

Die Griechen auf der Insel kämpfen seit dem 19. Jahrhundert für einen Anschluss an Griechenland, bekämpften Türken und Engländer, wagten 1931 einen Aufstand, der aber, wie auch alle anderen Angriffe gegen die Fremdherrschaft, blutig niedergeschlagen wurde. Nach einem jahrelangen Guerillakampf wurde 1959 im griechisch-britisch-türkischen Dreimächtevertrag die Unabhängigkeit Zyperns und die Stationierung von Truppen aus Griechenland und der Türkei festgelegt.

1963 brach ein Streit über die Rechte der "türkischen Zyprioten" aus und führte zu einem "Bürgerkrieg" zwischen Europäern und Asiaten. Im Jahre 1964 wurde eine UN-Friedenstruppe zwischen den Völkern auf der Insel eingesetzt, die bis heute dort im Einsatz ist.

1974 versuchten die Griechen den Anschluss an Griechenland – die Türken setzten ihre Militärmacht ein, eroberten große Teile der Insel und proklamierten ihrerseits nun den "Türkischen Föderationsstaat von Zypern", der aber auch als "Türkische Republik Nordzypern" bis heute von niemand anderen als den Türken selbst anerkannt wurde. Die UN vermittelte zwar einen Waffenstillstand, eine Lösung des Zypern-Konfliktes aber war nicht möglich.

In den Jahren danach wurden die Bemühungen um eine "Wiedervereinigung" intensiver – ein Zypern sollte entstehen und Mitglied der EU werden. Doch als besonders schöne Voraussetzung dafür war ein "Referendum" zur Vereinigung vorgeschlagen, dem beide Volksgruppen hätten zustimmen müssen. Dem aber erteilten die nun wieder als "nationalistisch" verfemten Griechen auf der Insel eine Absage und stimmten mit 65 von Hundert dagegen. Die Türken hatten – im wesentlich ärmeren Teil der Insel wohnend – zu 76 von Hundert zugestimmt, weil sie sich einerseits natürlich wirtschaftliche Besserung von außen erhofften und andererseits die Vorreiter der Türkei in der EU sein wollten. Politisch wäre dies für die angestrebte Aufnahme der Türken äußerst bedeutsam gewesen.

So zählt seit dem 1. Mai 2004 nur der wundersam reiche europäische Teil Zyperns zur EU und die Griechen besiegelten sowohl die Grenze nach Asien, als auch ihren Verzicht auf die geraubten Gebiete, die sie im Falle der Zustimmung hätten wiedererlangen können.

Die Griechen hatten sich für ihr Volk und gegen ein künstliches Staatsgebilde entschieden. Denn niemals kann fruchtbringend zusammenwachsen, was nicht zusammengehört. Die Gleichmacher dieser Welt aber sind tief enttäuscht, machen "Starrsinn, Egoismus, Nationalismus und Blindheit" dafür verantwortlich, dass die "Wiedervereinigung" scheiterte. Sonst sind sie immer "tolerant" und predigen der "Mehrheitsentscheidung" das Wort – aber natürlich nur dann, wenn die gewünschten Ergebnisse zustande kommen.

26.05.10

Kommentare

Rurik
29.05.10 um 00:09
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Kommentar 1

"Sonst sind sie immer 'tolerant' und predigen der 'Mehrheitsentscheidung' das Wort – aber natürlich nur dann, wenn die gewünschten Ergebnisse zustande kommen."

In Abwandlung eines bekannten Spruches:

Wenn ich das Wort "Toleranz" höre, dann entsichere ich meine Waffe!



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