Houston Stewart Chamberlain schrieb in seinen "Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts":
"Eines ist sicher: Will man die geschichtliche Größe des Germanen erklären, indem man sie in ein einziges Wort zusammenfasst - so muss man seine Treue nennen. Das ist der Mittelpunkt, von wo aus der gesamte Charakter, oder besser, die gesamte Persönlichkeit sich überblicken lässt. [...] Freiheit ist eine Expansivkraft, welche die Menschen auseinander sprengt, germanische Treue ist das Band, welches freie Menschen fester aneinander anschließt als das Schwert des Tyrannen; Freiheit bedeutet Durst nach unmittelbarer selbstentdeckter Wahrheit, Treue hält unerschütterlich an dieser Treue fest."
So sind Freiheit und Treue polare Größen, und es ist keine ohne die andere denkbar. Die den nordischen Menschen innewohnende schöpferische Kraft würde statt Ordnung nur Unterordnung schaffen, und viel mehr die Zerstörung als den Aufbau fördern, wenn sich nicht zu der vorwärtsdrängenden Freiheit die beharrliche Treue gesellte. Darum dürfen Persönlichkeiten und Umständen oder Taten und ihre Folgeerscheinungen keine einseitigen Beurteilungen und Wertungen nur unter dem Gesichtspunkt der Freiheit oder nur unter dem der Treue erfahren, sondern sie sind immer beide zugleich als Maßstäbe und Wertmesser anzulegen.
Treue als Beharrlichkeit kann lähmend und ertötend wirken und alle schöpferischen Regungen ersticken. So ist es immer geschehen, dass in Zeiten des Durchbruchs starker schöpferischer Kräfte die widerstrebenden, sagen wir im üblen Sinne konservativen, Kreise des deutschen Volkes über die Zunahme der Untreue klagten und den sittlichen Verfall und Untergang weissagen zu müssen glaubten. Und es werden auch immer in den Reihen der Vorwärtsdrängenden Elemente zu finden sein, die keine Bindung achten und ertragen zu können vorgeben und mit ihrem Wollen und das Uferlose fallen. Wo aber findet der nordische Mensch das Maß? - In sich selbst. Goethe schrieb dazu:
"Dir selbst sei Treu und Treu den anderen, dann ist die Enge weit genug."
Und Chamberlain in den Grundlagen:
"Shakespeare lässt den Vater seinem Sohn als höchsten Ratschlag für seinen Lebensweg, als diejenige Mahnung, welche alle anderen in sich beschließt, die Worte sagen: Dies eine über alles - sei Dir selbst treu!"
Da es nicht unbegrenzte Freiheit gibt (siehe Freiheit und Gebundenheit), so kann sie sich nur innerhalb der Bindungen bewähren, die der Einzelne für sich bestimmt.
"Für den freien Mann, heißt dienen sich selbst befehlen." Dienen aber bedeutet, sich handelnd einordnen in das Ganze des Volkes. Dieses schafft sich und hütet die Ordnung. Um dieser willen ergehen notwendige Befehle. Diese können treu ausgeführt werden nur von dem, der dem Ganzen in der letzten und tiefen Wesensart sich verbunden weiß, sodass er selbst gar nichts anderes will als der höhere Wille über ihm.
Entstehen hier Schwierigkeiten, sodass Freiwilligkeit einem drückenden und lästigen Zwang weicht, steht die Persönlichkeit in Gefahr. Es kann sein, dass die über ihm stehende Ordnung den artgemäßen Grundsätzen, auf dem sie erbaut wurde, untreu wird und ihre Bestimmung nicht erfüllt. In diesem Fall wird die Unterordnung als Knechtschaft empfunden und der Einzelne muss, um seinem eigenen Wesen treu zu bleiben, der Freiheit eine Gasse bahnen und darf nicht ruhen, bis er in seinem Volk die artgemäße Ordnung wieder hergestellt hat. Oder aber er lässt sich die Einsicht um das wahre Wesen der Notwendigkeit trüben und fremde Einflüsse über sich Macht gewinnen. In solchen Fall wird er nicht nur sich selber, sondern dem Ganzen des Volkes untreu.
So kann, wie Chamberlain sagt, "Treue im germanischen Sinne ohne Freiheit nicht entstehen, doch ist nicht abzusehen, wie ein unbegrenzter schöpferischer Drang nach Freiheit ohne Treue bestehen könnte."
10.01.12

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Rotti
11.01.12 um 01:12
antworten
Könnt ihr die "Grundlagen" empfehlen?
Kubo
11.01.12 um 22:35
antworten
@Rotti(1): Wenn das Werk nicht empfehlenswert wäre, dann würden die "Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" wohl kaum hier behandelt werden.
Rotti
13.01.12 um 00:07
antworten
Naja, ichhabe auch Bücher, die interessante Zitate enthalten und als Quelle ganz gut sind, die ich aber nicht unbedingt empfehlen würde. Sarazzin wäre so ein Fall.
Karl
13.01.12 um 08:18
antworten
@Rotti(3): Such das Werk mal im Netz in Antiquariaten (zum Beispiel bei abebooks.de) - beide Bände zusammen kosten etwa 10 Euro mit Versand. Dann kannst Du Dir selbst ein Urteil bilden!
nanu
16.01.12 um 13:36
antworten
Treue steht über alles, zum Wohle des Ganzen! Untreue schürt falsche Menschen, sowie falsche Bindungen zu einanader, die in Wahrheit nicht ernst gemeint sind. Die Ordnung des Ganzen muss die Richtige sein, denn wenn nicht, muss der eigene Gedanke sich davon losreißen was ihn zu knechten vermag und unehrlich erscheind. Besonders eine falsche Geimeinschaft strebt nach Macht und danach alles für richtig oder falsch zubewerten, die es nicht ehrlich meint zu dem Einzelnen. Der Wille zum eigenen Denken, ist der Schlüssel dazu.