Sex, Drugs and Korruption

Sex, Drugs and Korruption

Etwa fünf Wochen ist es nun her, als die Bohrinsel "Deepwater Horizon" nach einer Explosion am 22. April vor der US-Südküste versank und damit einhergehend eine Katastrophe auslöste, deren Ausmaße und Folgen für das Ökosystem der betroffenen Gebiete noch nicht absehbar sind.

Täglich strömen ca. 1,9 Millionen Liter Öl ins Meer, mindestens 66,5 Millionen Liter sind seit dem Untergang der Bohrinsel demnach bereits ausgetreten, über 160 Kilometer Küste wurden im US-Bundesstaat Louisiana mittlerweile mit einem Ölfilm überzogen. Derweil haben Forscher einen neuen Ölschwaden entdeckt, welcher von der Wasseroberfläche bis in eine Tiefe von 1000 Meter hinab reicht und mit ca. 35 Kilometern Länge und 10 Kilometern Breite eine unvorstellbare Menge Öl mit sich führt – er ist bereits der zweite seiner Art.

Ebenso schmierig wie der Ölfilm, der der Tier- und Pflanzenwelt an der Südküste der USA zum Verhängnis wird, scheint jene staatliche Kontrollbehörde zu sein, deren Aufgabe es unter anderem ist, Sicherheits- und Umweltstandards auf Bohrinseln zu überprüfen.

Bereits im August 2004 wurden bei einem Unfall und Gefahrentest auf der "Deepwater Horizon" 27 Risikostellen identifiziert, unter anderem die Gefahr einer Gasexplosion an der Unterwasser-Bohrstelle und ein potenzielles Versagen des zentralen Sicherheitssystems der Bohrinsel. In den folgenden Jahren wurden weitere Sicherheitsmängel festgestellt - Konsequenzen für den Betrieb der Bohrinsel gab es aber scheinbar keine.

Angesichts eines vor kurzem veröffentlichten Untersuchungsberichts des Innenministeriums in Washington überrascht das auch wahrlich nicht. So gehört es in der Bundesbehörde Minerals Management Service (MMS) scheinbar zum guten Ton, sich von den Ölkonzernen kaufen zu lassen, mit der Folge, dass Bohrgenehmigungen fernab sämtlicher Kontrollen wie Visitenkarten vergeben wurden.

Diverse Wahlspenden der Ölindustrie an US-Demokraten, vor allem während der "Bush-Ära", scheinen hierbei nur den vergleichsweise "harmlosen" Teil auszumachen. So ist bekannt, dass Kontrolleure des MMS wiederholt zu Jagd- und Angelausflügen eingeladen wurden oder Tickets für Footballspiele erhielten.

Ein Inspektor wurde im Jahre 2008 damit beauftragt, vier Plattformen zu kontrollieren – zur gleichen Zeit bewarb er sich um einen Job bei der Firma, welche die Plattformen betrieb. Bei anderen Inspektoren verlief die "Karriere" genau andersrum. Bevor sie für den MMS tätig wurden, waren sie jahrelang in Öl- und Gaskonzernen beschäftigt – dem engen Kontakt zu ihren Freunden in den Chefsesseln von BP und Co tat das natürlich keinen Abbruch. Laut CNN sei das Verhältnis zwischen Kontrolleuren und den zu Kontrollierenden teilweise sogar noch inniger. Sex zwischen MMS-Angestellten und den Mitarbeiterinnen der Öl-Konzerne war demnach keine Seltenheit.

Für den reibungslosen Ablauf der Zusammenarbeit reichten Inspektoren die leeren Formulare zur Qualitätsprüfung direkt an die Ölfirmen weiter, sodass die von ihnen erwünschten Ergebnisse nur noch mit Bleistift eingetragen werden mussten - die staatliche Kontrollbehörde zeichnete mit Kugelschreiber brav nach. Da macht es dann auch keinen Unterschied mehr, dass Angestellte der Behörde während der Kontrollen offenbar unter dem Rausch der Partydroge "Crystal Meth" standen.

Doch wer glaubt, dass die Tendenz, nach der Politiker und einflussreiche Staatsbeamte sich von der Industrie korrumpieren lassen, lediglich im Land der wahrlich unbegrenzten Möglichkeiten vorzufinden ist, während bundesdeutsche Demokraten ihren politischen Tätigkeiten immer im Zeichen vom Wohle aller, niemals jedoch zum Vorteil zahlungskräftiger Einzelner nachgehen, dem sei an dieser Stelle nur noch einmal die Ermäßigung der Mehrwertsteuer für die Hotelbranche durch die FDP in Erinnerung gerufen, welcher zufälligerweise eine Millionen Euro schwere Spende der Familie Finck als Besitzer des Großteils der Hotelkette Mövenpick an die Liberalen vorausging.

28.05.10

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Kommentare

Rurik
28.05.10 um 23:58
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Kommentar 1

In der Demokratie läuft eben alles wie geschmiert ...



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