Eine alte Sage aus dem Mittelalter war die des Faust, der alle Wissenschaften studiert hatte, und allem Zauber nachging. Faust war Erfinder, Künstler, ein Wahrheitssucher, der am Ende des Lebens ein Land vor der Zerstörung rettete, in dem er das Meer abgedämmt hatte und durch diese Tat für sein Volk erst seinen Frieden fand. Vorher hatte ihn nichts Ruhe finden lassen und befriedigen können; stets war er auf der Wanderung gewesen – doch zuletzt erlöste er sich durch sein Werk.
Mit dieser Sage ist das Wesen des deutschen Volkes gekennzeichnet – die suchende, forschende, idealistische Gestalt, die Goethe in seinem Werk so eindrucksvoll dargestellt hatte.Ein solcher Mensch war auch Parazelsus. Das Volk sagte ihm nach, er sei mit dem Teufel verbündet, trage dessen Geist im Schwertknauf und würde eines Tages wieder auferstehen.
Eigentlich hieß der Mann mit dem seltsamen Namen, den er sich später selbst gegeben hatte, Theophrast Bombast von Hohenheim. Als Sohn eines deutschen Arztes wurde er in Einsiedeln in der Schweiz am 10. November 1493 geboren. Seine Mutter starb früh.
Schon in jungen Jahren lernte er Leben und Sterben kennen – sein Vater nahm ihn oft mit. In den Bergwerken und Schmelzhütten im Inntal lernte er Chemiker und erfand natürliche Heilmittel, Extrakte, Essenzen, Salben, blutstillende Mittel und verwertete Teepflanzen.
Die Wissenschaft der Heilkunde lernte er nicht nur auf der Hochschule in Ferrara, sondern auch bei Bauern, Badern, Schäfern und Heilkundigen. Als Arzt wirkte er in Salzburg, Freiburg, Straßburg, Basel, Nürnberg, St. Gallen, Innsbruck, Memmingen, Mindelheim, Ulm, Nördlingen, Augsburg, München, Kronau in Mähren, Wien, Klagenfurt und Villach und stellte völlig neue Gedankenzusammenhänge auf.
Er führte die meisten Krankheiten auf Säurebildung im Körper zurück und gab der Heilkunde eine neue Grundlage – denn die damalige Heilkunst handelte in Unkenntnis der Organe und auf der Verwendung wirkungsloser Pülverchen.
Parazelsus erforschte eine neue Wundbehandlung, setzte sich besonders für die Bergarbeiter und gegen Geschlechtskrankheiten ein. Er sah den Zusammenhang des Organismus – und musste sich daher einer großen Anzahl Gegner erwehren, die ihm "uneheliche Herkunft" vorwarfen und ihn als Trinker, Schwindler, Betrüger und Verderber beschimpften.
Seine Freunde nannten ihn "Genie" und sahen in ihm ein großes Vorbild. Als Frohnatur durchzog er wanderlustig das Land, hatte ein offenes Auge für Tiere und Pflanzen und sah die Gesetze der Ordnung in der Natur, nach denen sich Jahreszeiten und Vermehrung, der Kampf des Lebens und das Wunder von Werden und Wachsen vollziehen.
Dogmen lehnte er ab, stellte die Annahmen anderer immer wieder in Frage, prüfte und untersuchte die Erkenntnisse der bisherigen Wissenschaft auf ihre Richtigkeit. So war er auch kein Freund der Kirche, lehrte in deutscher Sprache, schielte nicht nach den Mächtigen, sondern tat, was er als richtig empfand.
Schonungslos deckte er Missstände auf, wandte sich öffentlich dagegen und wurde so zum berühmtesten Arzt seiner Zeit. Dennoch war er überaus bescheiden, bereicherte sich nicht und behandelte Mittellose umsonst.
"Ihr habt mir verargt und übel ausgelegt meinen geringen Reichtum und schlechte Kleidung, so ich gehabt und getragen habe. Hätte ich ihr all meine Sach so wohl lassen bezahlen und meines Säckels Nutz mehr denn der Kranken Nutz betrachtet, gleich Ihr, wollt ich reicher sein denn Euer keiner. Die Kunst ist mein Gut und bester Reichtum."
Als Schriftsteller beschäftigte er sich mit den Wundern und Gesetzen der Welt, mit Sternenhimmel und Erdbeben, Krankheiten, Seuchen, Arzneien und auch mit den Fragen der Religion und der Lebensweisheit. Über 400 Schriften verfasste er allein über die Heilkunde.
Die Offenbarung Gottes sah er in Natur und Leben. Parazelsus war eine Lichtgestalt des deutschen Idealismus - sein forschendes und suchendes Wesen sollte gerade in der heutigen dunklen Zeit wieder erstrebenswertes Vorbild sein. Am 24. September 1541 starb er in Salzburg.
11.11.10

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Rurik
16.11.10 um 23:36
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Guter Artikel!