Ich sehe was, was du nicht siehst – Von der Leyen will "Hartz IV" abschaffen

Ich sehe was, was du nicht siehst – Von der Leyen will Hartz IV abschaffen

Ursula von der Leyen war ja schon immer recht gehaltlos in der "Lösung" von Problemen. Waren ihre Handlungsansätze als Familienministerin schon nach dem Motto, was ich nicht sehe, das gibt es auch nicht, indem sie Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten hinter einem Stoppschild verstecken statt löschen wollte, so setzt sie diese Art von "Problemlösung" konsequent als Arbeitsministerin fort.

Nun möchte die Christdemokratin "Hartz IV" abschaffen. Nicht das Sozialgesetz, wonach Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II auf ein Niveau unterhalb der damaligen Sozialhilfe zusammengeführt wurden, sondern den Ausdruck. Das Wort sei so unvorteilhaft besetzt, dass es eine differenzierte Debatte über Langzeitarbeitslosigkeit behindere.

"Das Wort Hartz IV ist sehr negativ besetzt. […] Es ist ein absolut wünschenswertes Ziel, dass auf die Dauer das Wort Hartz IV verschwindet."

Der Begriff müsse neu besetzt werden - positiver. Eigene Vorschläge zur Begriffsfindung wollte sie jedoch nicht nennen. So etwas könne man nicht von oben verordnen. Das gehe nur, indem sich das Bild in der Bevölkerung zum Positiven verändert. Und Ihr müsst Verständnis dafür haben, dass es von der Leyen nicht in den Sinn kommt, das dieses Bild von der Wirklichkeit derer gezeichnet wird, die von der Hartz-"Reform" betroffen sind – eben, weil sie nicht betroffen ist.

Tatsächlich ist die "Idee" der Ministerin nicht neu, sondern alt und wurde schon in Orwells Roman 1984 als Neusprech bezeichnet, was die vom herrschenden Regime künstlich veränderte Sprache beschreibt. Und sie funktioniert! Man nehme nur einen Dummkopf, und weil der Begriff so negativ besetzt ist, nennt man diesen dann Demokrat.

Dabei blieb es jedoch nicht. So wurde im Laufe der Zeit aus der Netzzensur das Zugangserschwerungsgesetz, aus dem Bundestrojaner eine Remote Forensic Software, aus dem Nacktscanner ein Körperscanner, aus der elektronischen Krankenkarte eine Gesundheitskarte, aus dem gezielten Töten von Menschen der finale Rettungsschuss, aus der Bundesschuldenverwaltung die Bundeswertpapierverwaltung usw. usf.

In Russland war man da weniger einfallsreich. Da ging ein Verwaltungschef der östlich von Moskau gelegenen Region Noguinsk gegen die Krise vor, indem er das Wort "Finanzkrise" auf den Index setzte. Beamte, die sich in der Öffentlichkeit nicht an die neue Sprachregelung hielten, drohte die Entlassung, weil Krise eben im Kopf und nicht in der Wirtschaft stattfinde.

Aus dem Netz gibt es übrigens schon einige Namensvorschläge für von der Leyen. Favorisiert werden Abwrackprämie II, Elendsgeld, Faulenzerpauschale und Hungergesetz, aber vielleicht fällt Euch ja noch ein besserer Begriff ein.

Wer sich für die Thematik Neusprech interessiert und die Zeit findet, sollte sich mal die beiden doppelplus-interessanten C3-Vorträge "Neusprech im Überwachungsstaat" und "Leyen-Rhetorik" von Martin Haase anschauen.

02.02.10

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Kommentare

Freiheit
08.02.10 um 15:00
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Kommentar 1

"Das Wort Hartz IV ist sehr negativ besetzt. […] Es ist ein absolut wünschenswertes Ziel, dass auf die Dauer das Wort Hartz IV verschwindet."

Damals versuchte man auch aus Arbeitslosen einfach Arbeitssuchende zu machen.

Oder wie aus "die Besatzer" auch schnell mal "die Befreier" gemacht wurde. (Obwohl das wahrscheinlich auch nur Dummköpfe sagen)

Schöner Beitrag und vor allem das Altsprechwort für das Neusprechwort "Demokrat" ist ++gut ! ;)



Martin
10.02.10 um 22:28
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Kommentar 2

Ich schlage "Stirb langsam V" vor.



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