Gregor Gysi: Der Dissidentenanwalt

Wie neue Akten aus dem SED-Zentralkomitee und dem DDR-Justizministerium belegen, war der in der DDR über die "Vervollkommnung des sozialistischen Rechts im Rechtsverwirklichungsprozess" promovierte Gysi keineswegs der furchtlose Dissidentenanwalt, als der er sich gern darstellt, um seine eigene Vergangenheit zu verklären.

Demnach soll der letzte Vorsitzende der SED und heutige Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag im Mai 1989 an dem Versuch beteiligt gewesen sein, einen DDR-Flüchtling zurück nach Ost-Berlin zu holen. Nach eigenen Angaben war es seine Aufgabe, das Gespräch mit dem fünf Wochen zuvor geflohenen Wissenschaftler in West-Berlin zu suchen und ihn zur Rückkehr zu bewegen.

Gysi, der in der DDR seit 1971 als Jurist tätig war - was jedoch weniger mit Recht als mit Kommunismus zu tun hatte - stieg 1988 zum Vorsitzenden des Ost-Berliner Rechtsanwaltskollegiums auf und wurde damit oberster Rechtsanwalt der DDR. Der geflohene Wissenschaftler, Gerhard Fiedler, sei ein früherer Mandant gewesen, weshalb der Leiter der Abteilung Staat und Recht beim Zentralkomitee der SED Gysi um "den Gefallen" gebeten hätte.

In einer Notiz seiner Gesprächspartnerin im Zentralkomitee sei zu lesen: "Genosse Gysi kehrte erst nach Mitternacht in unsere Hauptstadt zurück." Da der Entflohene sich nicht von Gysi überzeugen ließ, sei er "mit dem Ergebnis nicht zufrieden" und wolle an einem der folgenden Tage "vor allem über die psychologischen Probleme aus dem Gespräch mit Fiedler nähere Einzelheiten übermitteln".

Im Vorfeld der Veröffentlichung versuchte Gysi die Berichterstattung über die Vorwürfe zu verhindern. "Mal sehen, ob das Ganze im Prozess endet oder vielleicht noch anders gehandhabt werden kann", drohte er in einem Schreiben an die Chefredakteure des Spiegel-Magazins. Für ihn sei die Veröffentlichung ein Eingriff in den Wahlkampf.

Tatsächlich stellt eine Nichtveröffentlichung ebenso einen Eingriff in den Wahlkampf dar, mit der die Wähler über die Vergangenheit des Spitzenkandidaten der "Linken" im Unklaren gelassen werden sollen. Seit Jahren will Gysi all diejenigen mundtot machen, die seine Kontakte zur Staatssicherheit der DDR anprangern.

Für Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit, ein Verruf: "Das passt zu den sonstigen programmatischen Vorstellungen der Partei." Allein die Tatsache, dass alte SED-Funktionäre und ehemalige Stasi-Mitarbeiter heute wieder in wichtigen politischen Funktionen sitzen, lässt das DDR-Regime wie ein Kavaliersdelikt erscheinen.

21.09.09

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Kommentare

frosch
21.09.09 um 17:39
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Kommentar 1

Guter Artikel :-)
Hat sich Herr "Ich verklage alles, was mir nicht passt" Gysi schon gemeldet, um solch missliebige Berichterstattung aus dem Verkehr zu ziehen?



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