Demokratische Werte

Demokratische Werte

Wenn es etwas gibt, was das demokratische System auszeichnet, dann, dass das Streben nach persönlicher Macht, der Drang zur Befriedigung eitelster Sehnsüchte üble Gestalten emporgespült hat, deren Übereinstimmung ausschließlich darin besteht, innerlich schwach zu sein. So wird am 15. März vor dem Amtsgericht Mainz ein Fall verhandelt, der genau jenen jämmerlichen Charakter dieser Gestalten offenbart.

Dann muss sich der frühere rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsgeschäftsführer, Markus Hebgen, wegen des Vorwurfs der Untreue in 18 Fällen und des Betruges verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft "einer der schillerndsten Figuren der jüngeren CDU-Geschichte" unter anderem vor, sich im Jahr 2005 einen Streifzug durch das Bordell "Villa Rascona" gegönnt und über die Fraktionskasse abgerechnet zu haben. Für 2.900 Euro vergnügte er sich dort nach eigener Aussage mit mehreren Christdemokraten auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung.

Darüber, wer die anderen Bordell-Begleiter waren, herrscht bislang großes Schweigen. Sollten Namen lanciert werden, will die CDU-Landesfraktion Anwälte einschalten. Wie die Probleme des Landes bei den Christdemokraten aufopferungsvoll bis ins letzte Hinterzimmer im Rotlichtmilieu bekämpft werden, hat die Bevölkerung eben nicht zu interessieren - auch dann nicht, wenn diese die Rechnung zahlt. Außerdem ist es ja in dieser heruntergekommenen "fortschrittlichen Gesellschaft" wirklich so, dass der Besuch von Bordellen fast zum Alltag gehört. Ausgerechnet den Christdemokraten daraus einen Vorwurf machen zu wollen, gehört sich wirklich nicht.

Hebgen selbst gab zwar an, vom damaligen CDU-Landtagsabgeordneten Herbert Jullien begleitet worden zu sein. Weil sich jedoch auch nach Zeugenbefragungen keine "Tatnachweise" ergeben haben, stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen ihn ein. Jullien, der die Vorwürfe Hebgens zurückwies, musste 2006 von seinen Parteiämtern zurücktreten, nachdem ihn das Landgericht Koblenz wegen Subventionsbetrugs und versuchter Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe verurteilt hatte. Im Oktober 2009 folgte eine zweite Verurteilung durch das Koblenzer Amtsgericht, weil er als Geschäftsführer der Tourismus GmbH in Bad Bertrich Geschäftskonten für private Zwecke missbraucht hatte, um eine Stromrechnung seiner Tochter über 1.440 Euro von Firmengeld zu bezahlen.

Insgesamt soll Bordellgänger Hebgen einen Schaden von mehr als 80.000 Euro verursacht haben. 20.000 Euro entstanden laut Staatsanwaltschaft mit privaten Barbesuchen und Hotelübernachtungen, illegalen Barvorschüssen und unberechtigten Beihilfevorschüssen für Gesundheitskosten. Zudem wird ihm vorgeworfen, der CDU-Landtagsfraktion Geld von einem anderen Parteikonto zugeschoben zu haben. Bereits 2008 wurde der saubere Demokrat zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt, weil er als Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach 31.000 Euro veruntreut hatte.

Jetzt wird auch klar, warum gerade Christdemokraten sich nach außen immer für Recht und Ordnung einsetzen und die harmlose Heimattreue Deutsche Jugend als "verfassungsfeindliche Organisation" verboten haben: Weil bei dieser die Werte von "Ehre und Treue" noch hochgehalten wurden. Werte, von denen ein echter Demokrat natürlich nichts hält.

04.03.10

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