
Montag nach Weihnachten 2010. Die Demokraten sind außer sich, ihre Medien speien unüberhörbar das übliche Gift und die USA riskieren diplomatische Konflikte mit Russland. Was war passiert?
In Russland wurde der jüdische Unternehmer Michail Borissowitsch Chodorkowski wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt und wird wohl bis 2017 im Gefängnis bleiben, wo er bereits seit 2003 wegen schweren Betruges, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung zu Hause ist. Diesmal verurteilt, weil er 218 Millionen Tonnen Öl abgezweigt und illegal weiterverkauft haben soll.
Doch wer ist Chodorkowski, und weshalb setzt sich "der Westen" für einen Schwerkriminellen ein?
1989 wurde Chodorkowski Vorsitzender einer der ersten Privatbanken Russlands. 1990 kaufte seine Kommerzielle Innovationsbank der gerade zerfallenden Sowjetunion eine Wissenschaftsstiftung ab und benannte sie in Menatep-Invest um. Chodorkowski wurde hier 1991 Vorstandsvorsitzender. Nach dem Aus der Sowjetunion gewann die Menatep-Bank an Bedeutung: Chodorkowski knüpfte politischen Beziehungen in das Umfeld des ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin. 1992 wurde er durch diese Kontakte Mitglied im Beraterstab des russischen Premierministers und im März 1993 schließlich Stellvertretender Minister für Brennstoffe und Energie. 1993 bis 1994 war er zudem Mitglied des Rats für Industriepolitik bei der russischen Regierung.
1993 finanzierte Chodorkowski maßgeblich den Wahlkampf für Jelzin. Ihm war klar, ohne einen solch willfährigen Staatschef seine eigentlichen Pläne nicht verwirklichen zu können - der Korruption im neu formierten Russland galt es daher, Vorschub zu leisten. Anders ist jedenfalls kaum zu erklären, dass Chodorkowski 1995 im russischen Parlament die Privatisierung staatlicher Erdöl-Unternehmen durchsetzen konnte. Seiner Menatep-Bank wurden sodann stolze 45 Prozent der Aktien des Mineralölkonzerns Jukos verkauft.
In Zusammenarbeit mit seinem Volksgenossen Platon Lebedew, der 2005 wegen Steuerhinterziehung zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, verschaffte sich die Menatep-Bank 1995 über eine Tochtergesellschaft die Aktienmehrheit an Jukos – für 309 Millionen US-Dollar, was seinerzeit einvernehmlich von allen Beobachtern als deutlich zu billig eingeschätzt wurde und deshalb einen merkwürdigen Beigeschmack entfaltete, zumal die Auktion von Chodorkowskis Menatep-Bank selbst durchgeführt wurde. Chodorkowski übernahm 1996 die Führung von Jukos, dem damals zweitgrößten russischen Ölkonzern. Bei den Wahlen setzte er sich abermals, zusammen mit zahlreichen weiteren Oligarchen, für Jelzin ein.
Nachdem Jelzin 1999 durch Wladimir Putin abgelöst wurde, der sich sogleich anschickte, die vielfach zu Spottpreisen an den nichtrussischen Geldadel abgetretenen Reichtümer Russlands zurückzugewinnen, unterstützte Chodorkowski – der mittlerweile reichster Mann Russlands mit einem Privatvermögen von 10 Milliarden US-Dollar war – Oppositionsparteien mit großzügigen Spenden. Dabei war ihm offensichtlich die politische Ausrichtung einerlei, da er sowohl die kommunistische Partei als auch die Liberalen im selben Wahlkampf finanzierte. Im Westen wurde er dieser Tage als wichtiger Oppositioneller in Russland und Experte für Innenpolitik gepriesen, der dem vermeintlich totalitären Putin den Kampf ansagte.
Ein Experte für Innenpolitik schien er tatsächlich zu sein: Obwohl er – gänzlich fremd für seinen späteren Wirkungskreis – Chemie studiert hatte, verstand er sich darauf, mit Hilfe korrumpierter russischer Politiker und verlässlicher Volks- und Glaubensbrüder über fast ein Jahrzehnt die Regentschaft Jelzins zu sichern und dabei maßgeblich dazu beizutragen, dass nur 36 jüdische Unternehmer fast die gesamte Volkswirtschaft der Sowjetunion aufkaufen konnten, während das russische Volk das allgegenwärtige Fehlen der Milliarden, die von einer kleinen Clique aus dem Boden und dem Wissen der früheren Weltmacht gezogen worden waren, im eigenen Magen spürte.
Wenn nun ein Aufschrei durch die westlichen Medien geht, wenn Russlands Justiz als unredlich und regierungsabhängig gescholten wird, kann das nur einen Grund haben: In der "westlichen Welt" herrschen dieselben, denen in Russland derzeit trotz ihrer Milliardenvermögen die Luft knapp wird. Verbrecher, die schuldig sind an der Ausplünderung breiter Volksmassen, werden zu fortschrittlichen Politikern stilisiert, die man unter Vorwänden von ihrer pro-westlichen Agitation abhalten wolle.
Zweifellos ist das Modell, dem Leute wie Chodorkowski folgen, auch im Westen äußerst beliebt. Nur – so drängt sich die Frage auf – muss Russland derlei Machenschaften genauso feige dulden, muss das russische Volk auf Kosten einer solchen Finanzmafia verelenden, bloß, weil die Demokraten hier, im "Westen", diese Feigheit über alle Parteigrenzen hinweg zum politischen Programm erhoben haben?
Das russische Vorgehen mag verfahrensrechtlich Bedenken wecken, mag – gegen die Erwartungen der Kriminellen – nicht nach den liberalen Spielregeln ausgestaltet sein, die sie so gern für immer etabliert hätten; für das russische Volk ist die gerichtliche Verfolgung und strafrechtliche Sanktionierung solcher Gestalten das einzig denkbare faire Verfahren, und nur darauf käme es an, würde man die Demokraten beim Wort nehmen – schließlich haben auch sie sich ihrem Volke eidlich verpflichtet. Wenn sie nun gegen eine Politik wettern, die Volksfeinden zu Leibe rückt, könnte man meinen, sie fürchteten, dass es auch ihnen dereinst so ergehen könnte. Oder sie neiden Putin und Medwedjew schlicht den Schneid, den sie bei der Verfolgung von Volksfeinden und der damit verbundenen Restaurierung der Staatsfinanzen beweisen...
"Russische" Oligarchen, ihr geschätztes Privatvermögen in US-Dollar und ihre Unternehmen:
| 01 | Mikhail Khodorkovsky | 15.2 | Yukos |
| 02 | Roman Abramovich | 12.5 | Sibneft |
| 03 | Viktor Vekselberg | 5.9 | TNK-BP, Sual |
| 04 | Mikhail Prokhorov | 5.4 | Norilsk Nickel |
| 05 | Vladimir Potanin | 5.4 | Norilsk Nickel |
| 06 | Mikhail Fridman | 5.2 | Alfa Group |
| 07 | Vladimir Lisin | 4.8 | Novolipetsk Steel |
| 08 | Oleg Deripaska | 4.5 | Rusal, Ruspromavto |
| 09 | Alexei Mordashov | 4.5 | Severstal |
| 10 | Vagit Alekperov | 3.9 | Lukoil |
| 11 | German Khan | 2.9 | Alfa Group |
| 12 | Alexander Abramov | 2.4 | Evrazholding |
| 13 | Vladimir Bogdanov | 2.2 | Surgutneftegaz |
| 14 | Vladimir Yevtushenkov | 2.1 | Sistema |
| 15 | Iskander Makhmudov | 2.1 | Uralsky GMK |
| 16 | Pyotr Aven | 2.1 | Alfa Group |
| 17 | Nikolai Tsvetkov | 2.0 | Nikoil |
| 18 | Leonid Nevzlin | 2.0 | Yukos |
| 19 | Alexei Kuzmitchev | 1.9 | Alfa Group |
| 20 | Mikhail Brudno | 1.8 | Yukos |
| 21 | Vladimir Dubov | 1.8 | Yukos |
| 22 | Platon Lebedev | 1.8 | Yukos |
| 23 | Vasily Shakhnovsky | 1.8 | Yukos |
| 24 | Leonid Fedun | 1.7 | Lukoil |
| 25 | Alexander Lebedev | 1.4 | National Reserve Corp. |
| 26 | Viktor Rashnikov | 1.3 | Magnitogorsk Steel |
| 27 | David Davidovich | 1.3 | Sibneft |
| 28 | Rem Vyakhirev | 1.3 | Gazprom |
| 29 | Vyacheslav Sheremet | 1.2 | Gazprom |
| 30 | Andrei Melnichenko | 1.2 | MDM Bank |
| 31 | Sergei Popov | 1.2 | MDM Bank |
| 32 | Igor Zyuzin | 1.1 | Mechel Steel |
| 33 | Andrei Gorodilov | 1.1 | Sibneft |
| 34 | Valery Oif | 1.1 | Sibneft |
| 35 | Yelena Baturina | 1.1 | Inteko |
| 36 | Alisher Usmanov | 1.0 | Gazprominvestholding |
28.12.10

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Bemerkenswert
28.12.10 um 16:55
antworten
Hier mal ein Kommentar aus der russischen Zeitung Prawda ("Wahrheit"), von mir ins Deutsche übersetzt:
Es ist nur noch lächerlich und albern, wie der Westen nach demokratischen Rechten und Gerechtigkeit schreit. Die westlichen Medien denken, sie könnten die Welt nach ihren Wünschen gestalten - sie setzen nur auf Lügen und Tricks. Dieser Typ, "Khordo" genannt, ist ein Krimineller, einer, der zur Wende praktisch mittellos war. Doch die zionistischen Verbrecher halfen ihm, damit er seinerseits den Yankees helfen konnte, all die Reichtümer Russlands im Namen von Freier Rede und Menschenrechten aus dem Lande zu leiten! Dieses Spiel ist nun aufgedeckt, es funktioniert nicht mehr. Deshalb reagieren sie so wütend. Lustig!
QUELLE
Stefan
28.12.10 um 18:06
antworten
Wirklich guter Beitrag..
Danke
Mich würde mal interessieren, wo ihr die ganzen Artikel "herbekommt" oder schreibt ihr die alle selber?
Gruß
Martin
28.12.10 um 23:33
antworten
@Stefan(2): Die sind alle von npd.de geklaut.
Björn
29.12.10 um 00:40
antworten
@Martin(3): Und dann um die weltanschaulichen Inhalt von gesamtrechts.wordpress.com ergänzt.
Richard
29.12.10 um 14:37
antworten
Boris Abramowitsch Beresowski (alias Platon Elenin) ist auch ein gar lustiger Gesell. Die beste Propagandamaschinerie kann sich sowas gar nicht ausdenken. Das sind die wahren realen Vorlagen für den Ewigen...
Franz
29.12.10 um 22:32
antworten
Bedauerlich ist, dass Rußland die Todesstrafe abgeschafft hat. Verbrecher Chordorkowskij und seine Artgenossen hätten diese Strafe wegen der Ausplünderung des Volkseigentums verdient.
Eisenzahn
30.12.10 um 11:17
antworten
Wie einseitig wäre ich durch unsere Medien infomiert, gäbe es euch nicht.
Andre
30.12.10 um 11:44
antworten
Das weiss jedes Kind in Rußland.
Alexander
30.12.10 um 17:17
antworten
All das ist nichts Neues. Diese "auserwählten" Plagegeister machen uns das Leben schon seit Karl dem Grossen schwer.
Die beste Lösung für uns alle und da meine ich die ganze Welt, wäre die ganze Klicke nach Birobidschan zu verweisen.
Geht einmal hinein in www.birobidjan.co.uk da wird Euch die Lady Michèle Renouf über diese Land mit der Grösse der Schweiz informieren.
Die orientalische Mentalität und die unsere wird nie Seite bei Seite existieren können...
Karl
30.12.10 um 19:19
antworten
@Alexander(9): "Die Lady" sollte man spätestens seit ihrem Auftritt in Teheran bei der Holocaustkonferenz mit Vorsicht genießen... Denn ob der Heiland mich vor den Juden gewarnt hat oder nicht, ist mir ziemlich gleich - auf dessen Worte gebe ich schließlich auch ansonsten nichts, wenn er überhaupt jemals gelebt hat... Die Dame steht geistig offenbar leider noch 20 Jahre vor Rosenberg (wie fast die ganze angelsächsische "rassistische Rechte"). Das ist etwas arm, da man diese Debatte ja nichtmal selbst führen muss, sondern anhand der Literatur aus den letzten 120 Jahren erschließen und Schlussfolgerungen ziehen kann...