Bundesregierung plant Zentralstelle gegen Computerviren: Wird das Netz endlich sicher?

Bundesregierung plant Zentralstelle gegen Computerviren: Wird das Netz endlich sicher?

Wie gemeldet wurde, möchte die Bundesregierung im nächsten Jahr den Kampf gegen vireninfizierte Computer aufnehmen. Derzeit belege Deutschland bei der Anzahl infizierter Rechner international den 3. Platz. Im Laufe des nächsten Jahres soll dazu eine Beratungsstelle eingerichtet werden, die Betroffenen dabei helfen soll, ihre Rechner wieder von Schadprogrammen zu säubern.

Dabei sollen die Provider den kompletten Datenverkehr des Internetanschlusses nach Auffälligkeiten durchsuchen. Wenn dann beispielsweise innerhalb von 5 Minuten 5000 Mails in das Netz gesendet werden, kann davon ausgegangen werden, dass ein Schadprogramm am Werk ist.

Der Betroffene soll dann über die Erkenntnisse informiert und Hilfe zu Beseitigung der Schadprogramme angeboten werden. Wie auf Anwender reagiert werden soll, die nicht mit der Beratungsstelle zusammenarbeiten wollen, ist allerdings noch offen. Angedacht ist beispielsweise eine Sperrung des Internetanschlusses.

Tatsächlich ist das geplante Vorgehen nur ein Nachlaufen hinter den Schreibern von Schadprogrammen. Anstatt aktuelle Sicherheitslücken konsequent zu schließen und Sicherheitsmechanismen zu etablieren, die einen Virenbefall wirklich verhindern können, strebt man nach "Lösungen", welche lediglich die Auswirkungen versucht einzudämmen, ohne jedoch die Ursache zu beseitigen.

Das geplante Vorhaben ist statt zur Bekämpfung von Viren vielmehr dazu geeignet, die Internetzensur durch die Hintertür einzuführen. Schließlich prüfen moderne Virenscanner alle aufgerufenen Webseiten gegen eine Liste. Ist eine bestimmte URL als "gefährlich" vermerkt, wird der Zugriff durch das Antivirenprogramm verweigert oder aber davor gewarnt.

Derzeit werden diese Listen noch durch die jeweiligen Hersteller der Antivirenprogramme betreut. In Zukunft könnte das der Verband der deutschen Internetwirtschaft gleich selbst übernehmen, der neben dem BSI einer der Entwickler des "Konzepts" und Betreiber der "Internet-Beschwerdestelle" ist. Was eco unter "illegale Inhalte" versteht, offenbart sich bei einem Aufruf des Beschwerdeformulars, bei dem zwischen Kinderpornografie und "jugendgefährdender Inhalte" "Rechtsradikalismus" zur Auswahl steht.

Bundesregierung plant Zentralstelle gegen Computerviren: Wird das Netz endlich sicher?

Dass der Missbrauch solch einer Viren-Sperrliste den Zensurbestrebungen unserer heutigen Arbeitsministerin von der Leyen gleicht, musste erst am 29. November die Nachrichtenseite mmnews.de erfahren. Der Zugriff auf ihre Seite wurde gesperrt, weil sie von Trend Micro ("McAfee", "OfficeScan") als "bösartige Seite" gelistet wurde. Wie die Seite damals auf die Liste kam, ist bis heute unbekannt.

10.12.09

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