
Es ist noch gar nicht so lange her, als nicht ein Thilo Sarrazin die Gemüter der Republik erregte, sondern der ehemalige Hamburger Richter Roland Schill. Dieser gründete im Jahr 2000 die "Partei Rechtsstaatlicher Offensive", mit der er im September 2001 bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg auf Anhieb 19,4 Prozent der Wählerstimmen erhielt und verdeutlichte, dass im demokratischen Politgeschäft die Unfähigkeit der anderen wichtiger ist als die eigenen Möglichkeiten.
Schill hatte zunächst bewiesen, wie wenig dazu gehört, sich gegen die muffige Altparteienkonkurrenz durchzusetzen und von Volkes Stimme erhört zu werden - ein gewisses Maß an Persönlichkeit und die Fähigkeit, sich zumindest zeitweise nach außen darzustellen, reichten völlig aus, um sozusagen ohne Anlauf fast ein Fünftel der Wählerstimmen zu erreichen. Aber mehr war eben nicht dahinter.
Das "Programm" bestand in der Bekämpfung der Kriminalität, die Partei in der Mehrzahl aus anderswo gescheiterten Existenzen, die Wähler aus unzufriedenen und verunsicherten Bundesbürgern. Und so saß man dann gleich in der "Regierung" und es war von vornherein klar, dass die damaligen "Koalitionspartner" CDU und FDP alles tun würden, um die Konkurrenz möglichst schnell wieder loszuwerden.
Das soll nun nicht heißen, dass von außen Sand ins Getriebe der "PRO" hätte geschüttet werden müssen - im Gegenteil: Im Wesen derartiger Konstruktionen liegt es ja schon begründet, dass sie an sich selbst scheitern müssen. Anschaulich bewies Schill einmal mehr, wie recht der Dichter Konrad Windisch hatte, als er dies einmal sinngemäß so formulierte:
Wer bei diesem Idiotentanz mitspringt, kann keine Änderung erzielen.
Er wird auch keine Änderung erzielen, wenn er sich abwendet oder wegsieht.
Aber er muss dabei stehen, aufmerksam, interessiert, beobachtend.
Und wenn einer von den Tanzenden ausbricht, Fragen hat, antworten haben will, dann müssen wir diese Antworten aus der lebendigen Wirklichkeit geben.
Die "PRO" konnte keine Antworten geben und stellte in Wirklichkeit nur eine schlechte Kopie des Systems dar - ebenso, wie Sarrazin keine Antworten aus der lebendigen Wirklichkeit geben kann. Allerdings muss auch gesagt werden, dass weder Schill noch Sarrazin von sich behauptet haben, etwa für Volk und Heimat einzutreten - genau das aber haben viele sehen wollen.
Und so würde es auch diesmal wieder kommen, wenn von einer neuen "demokratischen Ultrarechten" die Rede ist: Die seit Jahrzehnten unfähigen, aber eingesessenen Demokraten der Altparteien behaupten sich durch ihre Trägheit und die Unfähigkeit der anderen fest im Parlamentariersessel und können daher munter und ungebremst darin fortfahren, Deutschland weiter zu zerlegen.
Schill ist übrigens am Ende aus seiner Partei ausgeschlossen worden und - nachdem er mit seinen Fraktionskollegen ohne Erfolg in die "Pro DM" eintrat - aus Deutschland ausgewandert.
31.08.10

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