
In den Mittagsstunden des 9. Oktober 1989 schrieb eine Leipziger Studentin in ihr Tagebuch: "Ich habe einfach keine Ruhe, zu Hause zu bleiben. Mein Gewissen kämpft gegen meine Angst und treibt mich hinaus, komme, was da wolle. Nein, ich muss! Ich muss das zeigen, gerade jetzt! Ich muss auf die Straße!" Am Abend kam es zu den bis dahin stärksten Protesten in der Stadt. Über 70.000 Leipziger fassten ebenso wie die junge Studentin den Mut und leiteten das Ende der faulenden Demokratischen Republik ein, trotz eines massiven Polizeiaufgebotes, trotz drohender blutiger Auseinandersetzungen.
Zwei Jahrzehnte sind seit dem vergangen. Veränderungen hat es gegeben, doch sind es nicht die, die sich Tausende so erhofft hatten. Jetzt kann jeder in den Westen reisen, aber hier bleiben kann kaum einer, der sich eine Zukunft aufbauen will, weil es keine Arbeit gibt. Jetzt sind die Regale in den Supermärkten voll und Ihr könnt kaufen, was Ihr wollt, aber wolltet Ihr nicht eigentlich mehr? Was ist geblieben von der Freiheit, die ihr 1989 glaubtet, erkämpft zu haben? Die Freiheit der Märkte, in der Menschen nur soviel wert sind, wie sie an ihrem jeweiligen Standort produzieren oder konsumieren können?
Der Systemwechsel konnte 1989 nur gelingen, weil Tausende den Mut aufbringen konnten und nicht, weil alle lediglich hinter der vorgehaltenen Hand schimpften. Weil Tausende das Unrecht nicht mehr ohnmächtig mit ansehen wollten und nicht, weil alle nur auf Veränderungen gewartet haben. Darum haben wir uns am 1. Mai in den Straßen Hoyerswerdas versammelt: Um Euch an Eure eigene Geschichte zu erinnern und daran, was alles möglich ist. Damit sich die taubstumme Stadt wieder Gehör verschafft und endlich begriffen wird, dass unser Geschick in unseren eigenen Händen besser aufgehoben ist, als in den Händen derer, die seit Jahrzehnten versagen, die oft selbst nur Spielball sind von Ereignissen, die sich ihrer Kontrolle entziehen.
Über 400 sind zusammengekommen, um deutlich zu machen, dass es so nicht weiter geht. Um das Unerträgliche nicht mehr nur unerträglich zu nennen, sondern dagegen anzukämpfen. 400 Arbeiter und Studenten, Arbeitslose und Schüler, die hier leben wollen – in der Gewissheit, dass auch das letzte Stück ihrer Heimat stirbt, wenn sie infolge der Perspektivlosigkeit fortgehen.
Jeder Vierte in Hoyerswerda ist heute arbeitslos und das Durchschnittsgehalt derer, die noch Arbeit haben, liegt 400 Euro unter dem Bundesdurchschnitt. Kinder werden hier kaum geboren, aus wirtschaftlichen Ängsten oder aus Zwang, flexibel für den Arbeitsmarkt bleiben zu müssen. Die Einwohnerzahl hat sich in den vergangenen 20 Jahren halbiert und der Altersdurchschnitt liegt bei 49 Jahren. Bestimmte noch vor Jahrzehnten ein arger Wohnungsmangel das Leben, so ist es nun die Hoffnung, die verbliebenen Reste des alten Wohnviertels mögen dem Abriss wenigstens noch eine Weile trotzen.
Fragt euren Bürgermeister, der diese Zustände mitzuverantworten hat, warum er dem nichts entgegenzusetzen hat. Warum er dazu aufgerufen hat, die Mai-Feier auf dem Lausitz-Platz zu besuchen, um dort davon zu sprechen, dass es in der Stadt "keinen Platz für extremistische Aufmärsche" geben dürfe, statt Euch Antworten zu geben! Fragt ihn, warum er zu einer Mai-Feier aufruft, veranstaltet von jener Partei, die Ihr 1989 gestürzt hattet und zu deren Tradition dieses Fest wohl ebenso gehört, wie die Verfolgung und Inhaftierung Tausender!
Fragt Pfarrer Michel, warum er zu einem Bündnis gegen unsere Demonstration aufgerufen hat, ohne sich auch nur einmal inhaltlich mit unseren Aufrufen auseinandergesetzt zu haben. Warum gerade er vorverurteilt, ohne uns zu kennen und damit die Zustände tabuisiert, die heute so bedrohlich sind! Fragt die Teilnehmer der "Aktion Zivilcourage", wie viele Kinder es wohl in 10 Jahren hier noch geben wird, deren Handabdrücke sie sammeln können, um sie in den Straßen der Stadt aufzuhängen!
Keiner von ihnen kann heute noch sagen, er wüsste nichts davon, dass unser Volk stirbt. Eine Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau – geschönt durch erheblich höhere Geburtenraten inzwischen "eingedeutschter" Fremder – zeichnet den endgültigen Niedergang ab und wer mit offenen Augen durch Städte wie Hoyerswerda geht, der kann den Volkstod sehen. "Es wird schon alles nicht so schlimm werden", so denken die meisten. "Es wird schon alles nicht so schlimm werden", verkünden es die Medien der Demokraten. Niemand außer uns wagt es, dem Volk die Wahrheit zu sagen – nämlich, dass wir in einer Endzeit leben.
Zwei Jahrzehnte haben aus den Generationen, die 1989 das Unbeschreibliche wagten, Generationen von Halbinformierenden und Halbinformierten gemacht, von denen die einen nur die Hälfte dessen sagen, was sie wissen, von denen die anderen nur die Hälfte dessen erfahren, was sie benötigten - umgeben von Tabus, eingeschüchtert in Illusionen, sodass sie ihre eigenen Stärken nicht mehr zu erkennen vermögen, ihre eigenen Interessen nicht mehr wahrnehmen.
Uninformiert und desorientiert leben wir an unserer Geschichte in großen Teilen nur noch vorbei. Die Unterschiede, die es bei Wahlen zu erreichen gibt, sind vergleichbar mit denen zwischen Orangen und Apfelsinen. Über all die unbedeutenden Schattierungen einer doch in sich gleichen Politik sind wir dank umfassender medialer Berichterstattung bestens im Bilde, nicht aber über die demografische Situation unseres Volkes und ihre Folgen.
Von der einst erkämpfbar geglaubten Freiheit blieb nur jene, für das System der Demokraten zu sein, nicht dagegen, jedenfalls nicht in Massen, nicht in wirklichen Auseinandersetzungen. Doch ihr Machtanspruch wird nicht aus dem Bewusstsein der Verantwortung, sondern aus dem Monopol der Gewalt hergeleitet. Wer nun verantwortungsbewusste Politik einfordert, kann sich auf die Verantwortlichen genauso verlassen, wie auf ihre Worte, die sie von Wahl zu Wahl geben und brechen.
Es ist an der Zeit, die Scheuklappen abzusetzen! Die großen Männer, die uns einst "blühende Landschaften" versprachen, sind nicht mehr groß und wir haben keine Zeit mehr, auf diese vorgebliche Größe zu warten. Es ist an der Zeit, dass wir von der Souveränität, die 1989 erkämpft worden ist, endlich Gebrauch machen. Souverän zu sein aber heißt, handeln zu können – und handeln müssen achtzig Millionen Deutsche, wenn sie überleben wollen!
Der Weg von damals ist noch nicht zu Ende gegangen, sondern erstarrt, in der Annahme, die BRD sei das Ziel aller Träume und all das Leid, all die Opfer, die Tausende 1989 erbrachten, drohen, vergebens gewesen zu sein, wenn wir nicht handeln. Die Etappe der Demokratie ist wahrlich eine trübe Zeit. Sie zu bewältigen und zu überwinden heißt, sie zu durchschauen, den Mut zu fassen und dann alles ganz anders zu machen, als die Demokraten es gemacht haben. Wir haben es in der Hand: Es ist unsere Heimat, unser Volk und unsere Entscheidung, den Volkstod im Sinne der Demokraten zu gestalten, oder ihn aufzuhalten!
Weitere Fotos von der Demonstration findest Du im Flickr-Fotostream.







08.05.10

Du suchst Kontakt zu aktiven Widerstandsgruppen in Südbrandenburg, hast Fragen oder Hinweise? Dann melde Dich über das Kontaktformular!
Nutze das Tor-Netzwerk, um dem Apparat die Verfolgung zu erschweren!
AB-Leipzig
08.05.10 um 21:37
antworten
Sehr schön! Diese Demonstration sollte man von der Ausgestaltung nach außen hin zur Vorlage für alle anderen nationalen Demonstrationen erheben. Denn mit schwarzen Blöcken, pöbelndem Gesocks und flachen Parolen wird man sich vor unseren schlafenden Volksgenossen wohl kaum als Systemalternative bzw. als Beginn einer neuen revolutionären Volksbewegung verkaufen können.
Emotionale Ansprachen, kreative Kostümideen, einprägsame Losungen und ein Auftreten, sodass sich so manch ein außenstehender Volksgenosse in uns wiedererkennen könnte, anstatt abgeschreckt zu werden.... genau so sollte es gemacht werden.
Bobby
09.05.10 um 10:00
antworten
Gespenstig war der Moment, als der Wind sich drehte und die schwarzen Fahnen im Winde wehten. Gab er doch allen Gekommenen Recht am richtigen Ort zu sein und den Machtdemonstrationen eines untergehenden Systems, frohen Herzens gegenüberzustehen!
'89 standen wir auf, um ein Unrechtssystem zu stürzen, welches die Fehler aus seiner eigenen Ideologie heraus, nicht imstande war zu beseitigen oder umzuwandeln! Doch was blieb davon in den Seelen der Menschen? Nichts! Die Gewinner von damals sind auch wieder die, die an den Trögen der Macht sitzen und ihr eigenes Volk verkaufen und verraten! Sie haben den faulen und trägen Michel wieder eingelullt mit vorübergehendem Wohlstand, Versprechen und Spießbürgertum!
Wo ist die geistige Freiheit, die uns Deutsche einst zusammen führen konnte und uns immer wieder gegen alle weltpolitischen Widerstände zu einem Volk zusammenfügte? Wo ist der Geist von F. Schiller, der seine Knechtschaft in „Die Räuber“ wiedergab, und rebellierte gegen seinen Herren zu Baden?
In Hoyerswerda lebt dieser Geist eines freien deutschen Volkes noch fort und er soll Beispiel sein für die, die da kommen mögen! Weiter so!
Michel
09.05.10 um 12:23
antworten
... und auch nicht mit nächtlichem Krakele, Bengalos und Sturmhauben... Aber diese Demo setzt wirklich Maßstäbe. Weiter so, nicht nur in Hoyerswerda!
Andreas
10.05.10 um 19:33
antworten
Hut ab vor all euren Aktionen! So stelle ich mir den Widerstand gegen dieses volksfeindliche System vor! So vermitteln wir am besten unsere Botschaft! Jeder Nationale sollte sich an eurer Arbeit ein Beispiel nehmen! Macht weiter so!
Grüße aus dem südlichsten deutschen Landesteil (leider noch besetzt, doch wir geben nicht auf ;))!