
Sprache ist das Medium des Geistes. Einzig Sprache – sei es in gesprochener, geschriebener oder vergeistlichter Form - ermöglicht es, Gedanken, Gefühle, Wissen und Erkenntnisse in natürliche Zusammenhänge einzuordnen und wieder- bzw. weiterzugeben. Sprache ist somit nicht lediglich Mittel zur Verständigung zwischen Menschen, sondern jede Auffassung von Dingen und Sachverhalten in der Welt bedingt sprachliche Strukturierung. Bereits Friedrich Schiller erkannte:
"Die Sprache ist der Spiegel einer Nation. Wenn wir in diesen Spiegel schauen, dann kommt uns ein treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen."
Vom Niveau, welches die Sprache eines Volkes kennzeichnet, lässt sich somit auf den geistigen Gehalt dieses Volkes blicken. Im Umkehrschluss führt eine künstliche Begrenzung der Sprache auf das für die grundlegende Kommunikation notwendige Minimum gleichzeitig zur geistigen Verflachung der sich diesem Minimum annehmenden Schichten.
George Orwell bezeichnet in seinem Roman 1984 eine aus politischen Gründen künstlich veränderte Sprache als Neusprech. Das Ziel dieser Sprachpolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation der Bevölkerung in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken. Neusprech sollte den Gedankenspielraum nicht erweitern, sondern einengen, und dieser Zweck wurde dadurch unterstützt, dass man die Auswahl an Wörtern auf ein Minimum begrenzt. Durch die Verwendung vom Neusprech auf allen politischen Ebenen und dessen offizieller Ernennung zur Amtssprache ersetzte es systematisch die alte Sprache. So heißt es dazu im Roman:
"Inzwischen gewann es ständig an Boden, weil alle Parteimitglieder dazu tendierten, im täglichen Sprachgebrauch immer mehr Neusprechwörter und grammatikalische Konstruktionen zu verwenden."
Begrenzten sich die Bemühungen der Demokraten die Fiktion "Neusprech" Wirklichkeit werden zu lassen bisher fast ausschließlich darauf, negativ besetze Begriffe durch neue und unbelastete Wörter zu ersetzen, geht die SPD mittlerweile einen großen Schritt weiter. Die Sozis wollen es nicht länger dabei belassen, Begrifflichkeiten "lediglich" umzudeuten, sondern streben es an, die deutsche Sprache als Ganzes in ihrer Komplexität zu beschneiden und auf ein das sprachlich niederste Niveau bedienendes Minimum zu begrenzen.
Wie einem Interview des "Deutschlandradios" mit der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zu entnehmen ist, setzt sich die SPD für einen verstärkten Gebrauch der sogenannten "leichten Sprache" ein. Was man unter der "leichten Sprache" versteht, erläutert der folgenden Audio-Bericht von "Deutschlandradio Kultur":
Schmidt betrachtet Sprache als Barriere, welche es zu überwinden gilt. Dass die dafür auserkorene "leichte Sprache" nicht lediglich als Werkzeug in der Kommunikation mit geistig Behinderten betrachtet wird, sondern der Einzug in das politische Neusprech der BRD durchaus gewünscht wird, gibt Schmidt dabei offen zu:
"Und in der Diskussion mit den Behindertenverbänden haben sie gesagt, gerade dieser Punkt - Teilhabe an Kultur, Teilhabe an Informationen - braucht die einfache Sprache, und da ist dann draus entstanden, dass wir gesagt haben, okay, dann machen wir das einmal, und wir hoffen, dass das nicht nur einmal bleibt, sondern dass wir uns als Bundestag Gedanken machen, wie können wir denn das, was wir politisch machen, einfacher, genauer, präziser und verständlicher für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land auch aufbereiten."
Auf welchem Niveau sich das Ergebnis dieser einfachen, genauen, präzisen und verständlichen Aufbereitung bewegt, darüber könnt ihr euch im Antrag "Kultur für alle - Für einen gleichberechtigten Zugang von Menschen mit Behinderung zu Kultur, Information und Kommunikation" (PDF) der SPD-Bundestagsfraktion ab Seite 7 selbst ein Bild machen.
Dass Schmidt ausgerechnet die Thematik geistiger Behinderung als Aufhänger zur Forderung zur Verstümmelung der deutschen Sprache wählt, ergibt sich nach eigenen Angaben aus ihrem beruflichen Umfeld:
"Ich arbeite ja sehr viel und sehr eng auch mit der Lebenshilfe zusammen und habe von dort immer wieder auch auf Veranstaltungen gesehen, wie mit leichter Sprache auch geistig behinderte Menschen Funktionen in Vorständen wahrnehmen."
Zur Untermauerung der These, dass auch (in "leichter Sprache") anders talentierte Menschen Führungsfunktionen übernehmen können, wurde uns exklusiv ein Beweisfoto zugesendet.
Schmidt führt außerdem weiter aus:
"...dass geistig behinderte Menschen Vorträge halten können und vieles andere mehr, wenn man versucht, auch die Sprache auf das zu reduzieren, was wirklich Inhalt ist und was rüberkommen muss."
Was genau in den besagten Vorträgen rüberkommt, wird hier unmissverständlich ersichtlich.
Übrigens entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass Demokraten wie Schmidt offiziell von Barrierefreiheit in der Sprache faseln, nachdem sie erst letztes Jahr die geplante Veranstaltung "Menschen mit Behinderung im Deutschen Bundestag" kurzfristig absagen mussten, nachdem sie feststellten, dass sich unter den geladenen Gästen doch tatsächlich Menschen im Rollstuhl befanden und das Reichstagsgebäude in Berlin dafür nicht das notwendige Maß an Barrierefreiheit aufweist.
Schon beim Betrachten des Athener Reiseführers steigt die Vorfreude, während ich mir mit den restlichen Teilnehmern unserer deutschen Reisegruppe den Weg durch die verästelten Straßen und Gassen bahne. Die in der Broschüre abgedruckten Bilder großer kultureller Schätze und die dazu angeführten Informationen stimmen mich erwartungsvoll auf die nächsten Tage meines Aufenthalts in Griechenland ein. Ungeachtet der in letzter Zeit vermehrten Berichte, die auch in den deutschen Medien ein wirtschaftlich schwer angeschlagenes und von einem wütenden Volk bewohntes Griechenland zeigen, lasse ich mir meine Gedanken nicht trüben und bin überzeugt, dass es so schlimm ja doch nicht sein wird.
Der erwartete kulturelle Zauber beim nächtlichen Gang durch die Straßen von Athen wirkt jedoch schon nach den ersten Metern mehr als ernüchternd auf mich. Meinen Augen präsentiert sich ein bizarres Schauspiel, getragen von alptraumhaften Szenarien und geprägt von menschlichen Abgründen. Der Reiseführer behauptet eine gegen Null tendierenden Obdachlosigkeit und bezeichnet Athen als eine der sichersten europäischen Städte mit einer vergleichsweise niedrigen Kriminalitätsrate. Doch die Straßen sind voll von Obdachlosen in Rollstühlen, verkrüppelten Existenzen, denen die unbekleideten, blanken Füße regelrecht abzufaulen scheinen. Manches Auto steht demoliert und aufgebrochen am Straßenrand, die Wände der einzelnen Häuser sind mit gegen die griechische Regierung gerichteten Parolen besprüht, einstige Geschäfte geschlossen und eingestürzt. An einer Straßenecke werde ich Zeuge einer brutalen Schlägerei zwischen mehreren Zigeunern.
Unzählige lauernde Blicke dunkler Gestalten, die Griechenland nach offiziellem Credo kulturell, wirtschaftlich und ethnisch bereichern, mustern mich aufmerksam und senken die Augen auch dann nicht, als ich mit entschlossener Miene die Blicke erwidere, um zu signalisieren, dass ich mich nicht in die Kette ihrer sicher zahlreichen Raubopfer einreihen werde. Der von mir nicht sofort bemerkte Polizeiwagen, welcher unsere Reisegruppe seit unbestimmter Zeit unauffällig begleitet, fährt nun direkt neben uns die Straße entlang. Aufgrund der offensichtlichen Erkenntnis, dass es sich bei uns nicht um Griechen handelt, gibt uns einer der Polizeibeamten den Rat, hier in der Gegend vorsichtig zu sein. Das Auto selbst verlässt er nicht und fährt nach diesem verunsichernden Ratschlag schnell weiter.
Meine Wahrnehmungen auf dem Weg durch die griechische Landeshauptstadt werden immer grotesker und einschneidender. Prostituierte, kaum älter als 14 Jahre, säumen die Straßen, auf den Gehsteigen kniende Elendshaufen, welche sich Spritzen in Arme und Beine jagen, die Drogen direkt vom schmutzigen Asphalt in sich aufnehmen. Der Inhalt des Reiseführers wirkt angesichts dieser erschreckenden Vorkommnisse wie ein schlechter Witz und ich frage mich nach mehrmaligem Nachlesen, ob man denn nichts von all diesen Geschehnissen mitbekommen hat, ob man es einfach ausblendete?
Die Antwort auf meine Frage ist simpel wie bezeichnend: Das Buch ist aus dem Jahre 2001. Kann es denn wirklich sein, dass die Demokraten ein Land innerhalb von nur zehn Jahren beinahe vollständig in den Abgrund lenkten? Angesichts des Grauens, das sich in der gesamten Stadt wie ein unheilvoller Schatten ausgebreitet hat und mit all den heruntergekommenen Gebäuden das Bild in niederschmetternder Art und Weise prägt, kann auch diese Frage nur mit einem traurigen, aber umso eindeutigeren Ja beantwortet werden.
Die historischen Gebäude und Denkmäler wirken auf mich trotz ihrer Schönheit nunmehr wie das monumentale Abbild eines Landes, dessen Kultur und Volkskörper baufällig geworden ist und zahlreiche Risse erkennen lässt. Ich habe erst mal genug gesehen und ziehe mich zurück, zurück in die Sicherheit des Hotels, wo jedoch ebenfalls Prostituierte ein- und ausgehen.
Nachdem ich die letzten Stunden zwischen Ruhelosigkeit und Gedankenstürmen verbracht habe, welche auch durch die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten dieser vier Millionen Einwohner zählenden Stadt nicht so recht abklingen wollen, begebe ich mich zum Treffpunkt des jährlich stattfindenden Imia-Marsches, dem eigentlichen Grund meiner Reise nach Griechenland. Wurde der Imia-Marsch 1996 als Antwort auf einen territorialen Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei ins Leben gerufen, um drei Offizieren des hellenischen Heeres zu gedenken, welche im Zuge dieses Konflikts sterben mussten, so ist er mittlerweile zur größten Versammlung nationaler Kräfte in ganz Griechenland angewachsen.
Hier bietet sich mir schon ein anderes Bild; das Bild eines starken und aufrechten Volkes, das Bild einer Gemeinschaft des Kampfes. Ein Bild, von dem kein Reiseführer und keine deutsche Zeitung berichtet. Der Platz des Treffpunkts füllt sich nach und nach mit Tausenden, deren Zukunft genauso ungewiss scheint wie die des deutschen Volkes. Doch hier auf diesem Platz spüre ich keine Resignation, keine Mutlosigkeit und kein vorsichtiges Um-sich-Schauen. Ein Fahnenmeer, so weit das Auge reicht. Martialische Trommeln klingen durch die nunmehr wie leer gefegten Straßen und Gassen. Fackeln brennen in unzähligen Händen, das Dunkel der Nacht mit der Kraft des Lichtes einer Wiedergeburt vertreibend. Aus zehntausend Kehlen erschallt der geballte Protest eines Volkszornes, den die Demokraten nur allzu deutlich hören und nur allzu sehr fürchten. Fest entschlossen setzt sich der gigantische Marschzug in Bewegung. Vorbei an den entglasten Banken, vorbei an den mit Brandbomben und Farbbeuteln beschädigten Demokratentempeln, eine Botschaft verkündend, bei der man der griechischen Sprache nicht mächtig sein muss, um sie zu verstehen. Die Menschen der umliegenden bewohnten Häuser stehen mit wachem Interesse am Fenster, winken uns zu, stimmen ein in den lauten Protest und begleiten die Lieder dieser nationalen Machtdemonstration mit kräftiger Stimme.
Ich spüre die feurigen Gedanken eines revolutionären Willens in der Luft. Sie schweben über dem Widerstand, der das Schandwerk der Demokraten nicht länger hinnehmen will. Sie werden getragen von einer noch schweigenden Mehrheit, die aufzubegehren beginnt gegen das, was aus Griechenland einen Trümmerhaufen gemacht hat. In dieser Nacht verbannt der noch wache bzw. erwachende Teil der Griechen den Schatten des Niedergangs zurück in die Dunkelheit: Das Bekenntnis zu Volk und Heimat, zu Kultur und Tradition flammt im Herzen dieses Landes in eindrucksvoller Art und Weise als einzig wahre und den Untergang abwendende Alternative auf.
Und dennoch: Die schrecklichen Szenarien des einen, des dunklen und verlorenen Griechenlands stimmen mich nachdenklich. Was mag noch auf Deutschland und das restliche Europa zukommen? Auch bei uns sind die Demokraten dabei, das Land in eine wirtschaftliche und ethnische Ruine zu verwandeln, während sie sich an den Trögen ihres Systems fettfressen und einen Aufschwung nach dem anderen herbeireden, den sie an Börsenzahlen festmachen - ganz so, als wären neue Exportbestnoten deutscher Automobilhersteller nach Fernost ein Indikator völkischen Wohlstands!
Wieder im Flugzeug, lese ich auf der Heimreise in einer Zeitung von den Vorbereitungen auf den Karneval 2012. Von der Energie, die unzählige Deutsche in ein möglichst originelles Kostüm mit aufwendigen Basteleien stecken. Die Zeitung ist ansonsten voll mit Meldungen, die aufschrecken, die Wut und Widerstand wecken sollten, und sicher bin ich nicht der einzige Leser. Doch rings um mich blicke ich in gleichgültige Gesichter. Es scheint, als müsste die Deutschen erst eine Entwicklung wie jene Griechenlands treffen, ehe sie endlich aus ihrem dekadenten Märchenschlaf erwachen und die Gefahren erkennen, die die Demokraten heraufbeschworen haben.
Während LKA und Staatsanwaltschaft noch immer damit beschäftigt sind, die beschlagnahmten 250 Fackeln zu zählen, um auch ganz sicher zu sein, dass die "erfolgreiche Maßnahme im Kampf gegen rechte Aktionsformen" auch wirklich erfolgreich war, trafen sich Aktivisten bei einem Maskenball, um nebenher einmal deutlich zu machen, wie die umstrittene Durchsuchungswelle gegen 41 Personen zu bewerten ist, denen man vorwirft, an einer Demonstration teilgenommen zu haben, die sich gegen die fatale Bevölkerungspolitik der Demokraten richtete.
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Ich wohnte damals bei meinen Eltern auf der Talstraße Nummer 8 in der äußeren Dresdner Neustadt. Es schien, als hätten die Leute schon den ganzen Tag über eine Ahnung, dass etwas passieren könnte. Aber an so etwas hatte niemand gedacht. Es wurde gegen zehn Uhr am Abend und der Rundfunk gab regelmäßig die aktuellen Luftmeldungen durch. Plötzlich hieß es: "Mehrere Bomberverbände nähern sich der Stadt." Diese Meldung traf uns wie ein furchtbarer Schlag.
Wir schnappten unsere Koffer, die wir schon dastehen hatten und einige Taschen, die wir noch mit in den Keller nehmen konnten. Dort hockten wir dann ängstlich beieinander und es dauerte nicht lange bis Feueralarm gegeben wurde. Es krachte ununterbrochen und der Lärm kam immer näher. Die Angst wurde immer schlimmer, und als es etwas ruhiger wurde, konnte man erst einmal rausschauen, was geschehen war. Bis es jedoch soweit war, dauerte es ziemlich lange - es wurde zur Ewigkeit.
Draußen haben wir dann gesehen, dass in unserer kleinen Straße ein Haus, in welchem sich eine Bäckerei befand, getroffen war. Das Haus war nicht zertrümmert, aber es brannte langsam und niemand konnte mehr etwas herausholen. Schnell wurde eine Eimerkette gebildet und versucht noch etwas zu retten. Meine Schulfreundin Lotti, die in unmittelbarer Nähe wohnte, und ich halfen ebenfalls mit. Aber es erwies sich bald als sinnlos mit Eimern überhaupt etwas zu machen. In den nächsten Tagen haben wir das Haus dann abbrennen sehen. Jeder versuchte an seinem Haus etwas zu retten, aber es war unmöglich. Alles musste sich erst einmal durchkämpfen.
In der selben Nacht war auch der Zirkus Sarrasani, damals ein großes massives Gebäude auf der König-Albert-Straße, zerstört worden. Noch am Tage hatte es eine Vorstellung gegeben. Bei Alarm sind die Künstler und Mitarbeiter in den Keller des Gebäudes und nachdem es vorbei zu sein schien an die Elbwiesen geflüchtet. Auch die 43. Volkshochschule wurde zerstört.
Dann kam der zweite Angriff und die Angst wurde noch größer. Jeder dachte, "jetzt haben sie schon so viel weggebombt, da werden sie unsere paar Häuser, die noch stehen, auch bald sehen". Wir fürchteten, dass am Ende nicht mehr viel übrig bleibt.
Am nächsten Tag kam der Mittagsangriff. Von der Elbe her flogen die Bomber heran. Bei diesem Angriff wurden mehrere Häuser in unserer Straße getroffen. Ich erinnere mich, dass die Nummer 11 und 12 durch Sprengbomben vollkommen zerstört waren, sowohl das Vorder- als auch das Hinterhaus. Die Straße war vollkommen verschüttet, keiner konnte mehr durchlaufen.
Meine Schwester, die damals im Teilwerk arbeitete, hatte man nach Hause geschickt. Als sie ankam, kam sie erst einmal gar nicht auf die Straße, denn an ein Durchkommen war nicht zu denken. Mit der Angst, nicht zu wissen, welche Häuser getroffen waren, musste sie über die Kamenzer Straße wieder zurücklaufen. Wir haben uns dann später wieder gefunden. Das Erlebte haben wir nie vergessen.
Zeitzeugenbericht von Annelies Stutzriemer, entnommen aus der vom Aktionsbündnis gegen das Vergessen herausgegebenen Broschüre "Dresden - Der Menschlichkeit entgegen".
Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren. Die Völkerschlacht stand unmittelbar bevor, weshalb Wagners Geburtsstadt zu dieser Zeit einem Heerlager glich. Sechs Monate nach seiner Geburt starb sein Vater an Typhus. Im folgenden Jahr siedelte die Familie nach Dresden über.
Wagner war sich schon früh seiner Begabung bewusst. "In fünfzig Jahren werde ich der Beherrscher der musikalischen Welt sein", verkündete er. Trotz einer verhältnismäßig kleinen Körpergröße hatte er eine starke Ausstrahlung. Richard Wagner hatte sein Herz auf der Zunge und gewann so viele Freunde.
Mit allen Sinnen stand er in seinem Jahrhundert. Klarer als viele andere hat er es bis in den letzten Winkel durchschaut. Er trug eine Flammenseele in seiner Brust. Für ihn gab es nichts als Wille, Gespanntheit und erneute Forderung. So wurde er zum großen Widersacher seiner Zeit.
Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.
Als er in seinen musikalischen Dramen die germanischen Götter und Helden in den Alltag herabholte, trieb ihn als mächtige Kraft der Wille, die alten Kämpfergestalten zum Richteramt über die Zeit zu berufen. Die Gier nach Gold, die bröckelnde Welt der sterbenden Götter, der Zweifel und die Frage, all diese Gefahren spiegeln die inneren Nöte von Wagners eigener Zeit. Siegfried aber ist der Verkünder einer erneuerten Ordnung, die von Kraft und Lebendigkeit sprüht:
Gerade die Edelsten, d.h. diejenigen, denen nur am Wohle der anderen Menschen lag, und die ihr eigenes Wohl willig dafür opferten, blieben stets ohne den mindesten Einfluss auf die dauernde Gestaltung der Dinge.
Gegen Unverständnis und Hass hat sich Wagners Werk als eine der seltenen kulturellen Schöpfungen des späten Jahrhunderts durchsetzen müssen. Für Wagner war der Mensch kein egoistisches Wesen. Stets wies er auf die Gemeinschaft des Volkes hin:
Kein einzelner kann glücklich sein, ehe es nicht alle sind,
weil kein einzelner frei sein kann, ehe nicht alle frei sind.
Auch die Tiere grenzte Wagner aus seiner Weltanschauung nicht aus, sondern bedachte sie als wertvolle Geschöpfe:
Ein Tierfreund zu sein gehört zu den größten seelischen Reichtümern des Lebens.
Am 13. Februar 1883 ereilte ihn ein tödlicher Herzinfarkt. Er konnte noch läuten, verlangte nach einem Arzt und seiner Frau Cosima, die umgehend herbeieilte. Wagner schleppt sich von seinem Schreibtisch auf ein Sofa. Dort starb er in den Armen seiner Frau.

Nahezu krampfhaft versuchte er souverän zu wirken, Euphorie und Optimismus zu verbreiten. Doch es klang wenig überzeugend, abgelesen und vorformuliert. Vor laufenden Kameras den anwesenden Journalisten fadenscheinige Erfolgsmeldungen zu präsentieren, war an diesem Tag sein Job. Ob er selbst an die propagierten Erfolge glaubt? Es ist eigentlich schwer vorstellbar.
In einer Pressekonferenz stellte Phillip Rösler - Bundeswirtschaftsminister, südvietnamesisches Waisenkind, Vizekanzler der BRD - in der vergangenen Woche den Jahreswirtschaftsbericht 2012 (PDF) vor. "Alles bestens, die Wirtschaft blüht, der Wohlstand ist gerettet", könnte man den Grundtenor von Röslers Ausführungen zusammenfassen. Dabei wirkt der Bericht wie ein Sammelsurium allseits bekannter Phrasen und Floskeln, welche im Dauerzustand demokratischer Ohnmacht zur Verschleierung der eigenen chronischen Ideenlosigkeit herhalten müssen. Die vermeintlichen Heilsbringer Wachstum und Aufschwung genießen dabei eine zentrale Schlüsselrolle. So erfährt man bereits auf den ersten Seiten:
"Die deutschen Wachstumskräfte sind intakt. Die Menschen profitieren in mehrfacher Hinsicht vom Aufschwung: durch mehr Arbeitsplätze, durch höhere Einkommen und durch bessere Zukunftschancen."
An anderer Stelle lautet es:
"In einigen Regionen herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Der Beschäftigungsaufschwung kommt bei den Menschen an. Die Löhne steigen spürbar."
Aber selbst das von der Bundesregierung prognostizierte Abschwächen des Wirtschaftswachstums auf 0,7 Prozent im laufenden Jahr - der IWF sagt in seiner Konjunkturprognose für 2012 der deutschen Wirtschaft lediglich ein Wachstum von 0,3 Prozent voraus – kann Rösler nicht aus der Ruhe bringen. Stagnation oder gar Rezession? Mitnichten. Zustände, welche in der Gedankenwelt eines Wirtschaftsministers im Wohlstandssystem der BRD nicht zu existieren haben. Statt dessen Kreativität in der Wortwahl:
"Für die kommenden Monate ist eine vorübergehende Wachstumsdelle zu erwarten."
Das Finanzsystem Europas bröckelt vor sich hin. Griechenland droht der Staatsbankrott, andere Länder stehen in den Startlöchern, dem griechischen Beispiel zu folgen. Aus einer anfänglichen Bankenkrise ging eine länderübergreifende Staats- und Währungskrise hervor. Im Innern ahnt jeder, dass die auf Export getrimmte deutsche Wirtschaft, entgegen aller demokratischen Beteuerungen, wohl kaum mit einem blauen Auge davon kommen wird. Großzügig vorausgesagte Wachstumsprognosen werden nach und nach in Richtung Null nach unten korrigiert. Es scheint sich schlicht und ergreifend ausgeboomt zu haben - doch Rösler spricht von einer "vorübergehenden Delle".
Überzeugung? Selbstbetrug? Grenzenlose Realitätsferne? Wir wagten den Selbstversuch und probierten, die Welt für einen Tag durch die schmalen Augen eines Phillip Rösler zu sehen. Die Erfahrung war verblüffend: Der Logik Röslers folgend, mussten wir uns in Ausübung schärfster Selbstkritik eingestehen, dass wir viele Sachen oftmals viel zu engstirnig sahen und die Aussichten allgemein gar nicht so trüb sind, wie wir es an der einen oder anderen Stelle hier im Blog eventuell vermittelt haben.
So pflichtet uns Rösler sicherlich bei, wenn wir erkennen, dass die FDP noch lange nicht am Rand ihrer politischen Existenz angekommen ist, sondern lediglich unter einer "vorübergehenden Sympathiedelle" leidet. Auch mussten wir feststellen, dass die Liberalen keineswegs mit einer Medienkrise zu kämpfen haben, sondern einzig mit einer "vorübergehenden Berichterstattungsdelle". Im Allgemeinen ist die BRD auch nicht bis über beide Ohren verschuldet, die Staatskasse hat lediglich eine "vorübergehende Guthabendelle". Statt vor dem Aussterben der Deutschen zu warnen, erscheint es uns mittlerweile auch angemessener von einer "vorübergehenden Geburtendelle" zu reden. Und zu guter Letzt haben wir erkannt, dass Demokraten wie Rösler gar nicht von vorne bis hinten versagen, sondern sich in ihren Taten lediglich eine "vorübergehende Kompetenzdelle" widerspiegelt.
Es ist halt alles eine Frage der Sichtweise...

Auch der CDU laufen die Mitglieder weg, dennoch wähnen sie sich in der Rolle des ewig unverstandenen Genies. Seit dem Jahre 1983, als die Christdemokraten noch auf 735.000 Parteimitglieder kamen, geht die Zahl der Parteibücher kontinuierlich zurück. Allein im letzten Jahr sind mehr als 10.000 Mitglieder gegangen, die sehr wohl verstanden haben, dass es stets um ihr "Bestes" geht, wenn morgens immer wieder neue Reformvorschläge aus dem Radio quellen, die den Mitgliedern der Bundesregierung unmittelbar zuvor beim Rasieren eingefallen sind.
Im Mai wird in Schleswig-Holstein der Landtag neu gewählt und in CDU-Kreisen geht die durchaus berechtigte Angst um, diese Wahl zu verlieren. Sicherlich wird sich so mancher überlegen, es den schwarzen Genossen mal mit harter Münze zurückzuzahlen, was diese so an Schäden angerichtet haben. Einer dieser Schäden besteht darin, aus einem Volk eine Masse von selbstzufriedenen Wichtigtuern, Egoisten und ewig meckernden Schwätzern gemacht zu haben. Solange es noch genug zu verteilen gab, mag das nicht so schwerwiegend gewesen sein, jetzt aber müssen viele ihr Anspruchsdenken zurückschrauben und sehen sich drohender Armut ausgeliefert - das rächt sich nun.
Immerhin aber waren es heute Morgen noch 35 Prozent, die die Christdemokraten trotz allem erneut in den Bundestag wählen würden. So ist doch immerhin noch ein Großteil der Abgeordneten im Oppositions-Parlamentssessel abgesichert und die anderen Müßiggänger werden auch nicht hungern müssen. Bedenklich ist nur, dass statt der schwarzen Genossen anschließend die roten Genossen am Ruder stehen – und auch erst nach ihrem völligen Scheitern zugeben werden, keine Lösungen gehabt zu haben.

Das Spreelichter-Infoblatt für diesen Monat steht zum Runterladen bereit. Die Themen sind dieses Mal: "Demokratieunterricht für die Landbevölkerung", "Im Sog der Finanzmärkte" und "600 Millionen statt 1,3 Milliarden - weniger als die Hälfte".

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