
Eine neue Etappe auf dem Weg zur "demokratischen Ultrarechten" wird vermutlich heute Abend in der ARD zurückgelegt. Um 22.45 Uhr diskutiert Bundesbank-Vorstand, SPD-Mitglied und spätestens seit Erscheinen seines Buches "Deutschland schafft sich ab" als Rechtsextremist Gebrandmarkter Thilo Sarrazin u.a. mit der niedersächsischen Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), was auf einen unterhaltsamen Tiefflug im inhaltlichen und verbalen Niveau hoffen lässt.
Warum empfehlen wir Euch eine solche Schmierenkomödie zu schlechter Sendezeit? Unlängst kommentierten einige Leser einen Artikel zum Thema Sarrazin mit dem Grundtenor, es sei jedenfalls gut, dass einer der Etablierten endlich "die Wahrheit" sage und damit eine weitaus größere Zahl Deutscher für das Problem des Volkstods sensibilisiere, als dies uns als kleiner Minderheit möglich wäre.
Doch kann es wirklich in unserem Interesse sein, dass ein Bundesbank-Vorstand und SPD-Mitglied augenscheinlich "unsere" Positionen verlautbaren lässt?
Zunächst sind es bei näherer Betrachtung gar nicht unsere Positionen. So ist Sarrazin ausweislich seines Buches der Auffassung, sämtliche Probleme mit zugewanderten Fremden könnten gelöst werden, indem sie sich allesamt so vorbildlich integrieren, wie dies Inder oder Asiaten bereits jetzt tun. Dies ist den Multikulti-Verfechtern zwar noch immer ein Dorn im Auge - aber aus ihrer Sicht allemal besser als eine Argumentation auf biologischer Grundlage, die nur eine Rückführung aller Fremden zur Konsequenz haben könnte.
Daneben ist die Integration in der Politik der Demokraten schon immer angelegt gewesen - mangelnde Umsetzung ist in erster Linie nicht auf eine politische Agenda, wie Sarrazin sie "im Geiste der 68er" heute vorzufinden glaubt, sondern auf die unregierbaren Einzelfälle in den Großstadtghettos zurückzuführen, denen völlig egal ist, ob die Herrscher des großzügigen Einwanderungslandes nun mehr Integration wünschen oder nicht. Dies kann durch Gesetze nach demokratischem Verständnis niemals geändert werden: Sollte es zu Gesetzen nach der Vorstellung Sarrazins nämlich kommen (Pflicht-Kindergarten ab dem 3. Lebensjahr, strenge Sprachtests etc.), so werden Integrationsunwillige ihre Kinder einfach zu Hause lassen. In ihre Wohngebiete wagt sich kein Polizist, und wenn doch, sieht das so aus.
Weiterhin stellen laut Sarrazin nur 1.000 Berliner Jugendliche mit türkischen oder arabischen Wurzeln 20% aller Gewalttäter in Berlin dar. Doch Gesetze gegen Gewaltstraftaten gibt es bereits. Und spätestens seit einer mysteriös aus dem Leben geschiedenen Berlin-Neuköllner Jugendrichterin weiß man, wie es diesbezüglich um die Abschreckungswirkung von Haftstrafen bestellt ist: "Da drin sind alle meine Freunde, meine Brüder... ich hab da Handy, Playstation, was will ich mehr... ich hab keine Angst vor Gefängnis!"
Eine Antwort, wie Sarrazin diese Probleme lösen möchte, bleibt er schuldig - und wird er auch in der Fernseh-Quatschrunde wohl schuldig bleiben.
Und er muss die Antwort schuldig bleiben, denn als echter Demokrat wird er nicht darauf verweisen, dass 80% des menschlichen Verhaltens in den Erbanlagen begründet sind. Er wird sich hüten, herauszuarbeiten, dass Deutschland sich gar nicht abschaffen kann, wohl aber das deutsche Volk - als blutsverwandte Schicksalsgemeinschaft, als kultureller Kraftquell für seine Angehörigen, nicht jedoch für noch so integrationswillige Außenstehende, denen deutsches Wesen und damit deutsches Leben schon rein genetisch immer ein Rätsel bleiben muss - solange deutsches Wesen und deutsches Leben in Deutschland existieren!
Genau hier liegt nun der Kern der "Akte Sarrazin": In Zeiten, in denen immer mehr Deutsche sich des Systems der Demokraten überdrüssig zeigen, in denen Wahlbeteiligungen von unter 50% die Regel werden und antidemokratische Haltungen bei repräsentativen Umfragen offen zutage treten, sind die Demokraten gefordert, das Ventil zu suchen, um den "Kessel Buntes" vor der längst überfälligen Explosion zu bewahren. In ausländerfeindlichen Klischees meinen sie, es gefunden zu haben. Wenig wundern darf es deshalb, wenn alsbald eine neue "rechte Kraft", eine populistische "Ultrarechte", aber natürlich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnug stehende Partei das Licht der Welt erblickt, mit einem Sarrazin zum Vorsitzenden.
Hier können all die Sarrazins alsbald in den Oppositionssesseln der Parlamente Platz nehmen und schärfere Integrations- und Strafgesetze fordern - in der Gewissheit, sie niemals real anwenden zu können, aber ebenso in der Gewissheit, ein Ventil für all die politisch Unwissenden darzustellen, die sonst vielleicht schon längst nicht nur das System der Demokraten zum Teufel gejagt hätten - solange, bis sich die "Ausländerfrage" durch das Geburtenverhältnis von selbst beantwortet.
30.08.10

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db
30.08.10 um 12:18
antworten
Er hat bereits darauf verwiesen, dass 80% des menschlichen Verhaltens in den Genen begründet liegt. (vgl. Interview "Welt am Sonntag" vom 29.08.2010) Bitte etwas gründlicher recherchieren.
Radi
30.08.10 um 13:10
antworten
@db(1): In dem genannten Interview spricht Sarrazin von der gemessenen Intelligenz, die 50-80% erblich sei.
Karl
30.08.10 um 13:37
antworten
@db(1):
"Bitte etwas gründlicher recherchieren."
Danke für die Ergänzung. Zum Glück hattest Du genügend Zeit, alle 427.000 Google-Treffer zum Thema durchzulesen.
Zur Sache: Hier das Zitat, auf welches db Bezug nimmt:
"Intelligenz aber ist zu 50 bis 80 Prozent erblich. Deshalb bedeutet ein schichtabhängig unterschiedliches generatives Verhalten leider auch, dass sich das vererbte intellektuelle Potenzial der Bevölkerung kontinuierlich verdünnt.“ QUELLE
Zunächst spricht Sarrazin nicht vom "zu 80% genetisch bedingten menschlichen Verhalten", sondern "nur" von Intelligenz. Aber selbst, wenn Sarrazin das gesamte menschliche Verhalten meinen würde: Umso schlimmer! Denn dann ist seine Konsequenzenziehung ja vorsätzlich falsch.
Wer nämlich anerkennt, dass das menschliche Verhalten zu 80% genetisch bedingt ist, und dann fordert, die Muslime sollten sich hier integrieren oder nötigenfalls dazu gezwungen werden, andernfalls schaffe Deutschland sich ab, der spricht ja sogar mit, die Deutschen als Volk abschaffen und durch "eingedeutschte Artfremde" ersetzen zu wollen! Dann ist die im Buchtitel suggerierte Kernaussage aber bereits ad absurdum geführt - denn wer den Genpool der Deutschen langfristig mit Millionen zu 80% anders gearteter Anlagen anreichern will, der schafft - auch, wenn die Anreicherung dann deutsch spricht und Dirndl trägt - Deutschland im überkommenen Wortsinne ab...
Martin
30.08.10 um 14:45
antworten
@db(1): Zwar spricht Sarrazin in dem Interview nicht von den von Dir angegebenen 80 Prozent des menschlichen Verhaltens, die in den Genen begründet liegen, sondern von der Intelligenz, die zu 50 bis 80 Prozent erblich bedingt sei - tatsächlich erkennt er jedoch in diesem Interview zumindest den biologischen Unterschied der Völker an ("Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden."), was dann im Ergebnis jedoch noch tragischer ist, da er ja durch gesetzliche Neuregelungen fordert diese Verschiedenartigkeit aufzugeben.
Eine Umkehrung des heutigen, für unser Volk so bedrohlichen Zustandes, sieht er nicht vor. ("Und Sie werden nirgendwo die Forderung finden, irgendjemanden, der schon hier ist, abzuschieben, wie das andere Parteien gelegentlich tun.") Seine Konsequenz in der Überfremdung sieht er in der Integration und vertritt damit unzweifelhaft genau die Position der Wahnidee einer "multikulturellen Gesellschaft". Wenn aber ein Teil in das andere integriert werden soll, müssen sich beide verändern. Dieses bewusste Verhalten gegen das eigene Wesen hat zuletzt fatale Folgen bis hin zur Auflösung der Völker. Die vorher vorhandene Vielfalt wird zur gleichförmigen Einfältigkeit – und da die Menschen naturgegeben immer nur das tun, was sie unbedingt tun müssen, erstickt das Streben nach Höherem – geradezu im Gegenteil wird alles, was höher steht, in die Tiefe gezogen und geht in der einförmigen Masse unter.
Wer das bis heute nicht erkannt hat, nun die Aussagen Sarrazins hochjubelt und damit die Ideologie der Demokraten auch noch fördert, ist auf der Seite hier eindeutig falsch und sollte über eine Mitgliedschaft in einer der demokratischen Rechtsparteien nachdenken, die seit Jahrzehnten nichts anderes machen, als den Altpolitikern und deren stets fehlgeschlagenen "Lösungen" nachzulaufen.
Nada
30.08.10 um 14:56
antworten
Beinahe ausgestoßener Sozi vs. Vorbild-Demokratin - Das System-TV-Duell. Ganz großes Kino! ;)
Steffen
30.08.10 um 17:10
antworten
Im Grunde habt ihr mit eurem Artikel recht. Allerdings interessiert sich kaum jemand für Sarrazins Lösungen, sondern bejubelt wird hauptsächlich, das jemand überhaupt mal die Schweigespirale durchbricht. Dazu stellt er Thesen auf die in belegbaren Quellen ihr Fundament haben. Und gerade weil er einer von "denen" ist, kann man ihn nicht für dumm abstempeln und in die Rechte Ecke drängen. In den Kommentarspalten der großen Zeitungen kann man die besten Lösungsvorschläge aus dem Volk nur kurzweilig betrachten, weil anscheinend ein ganzes Dutzend damit beschäftigt ist, alles zu durchforsten und wirklich kritisches zu löschen !
Fritz
30.08.10 um 18:28
antworten
Ich muss mich nochmal melden!
Wie ich schon gesagt habe bin ich froh, dass endlich ein "Etablierter" das Problem angesprochen hat. Hier würde ich mich Steffen (6) anschließen. Natürlich habt ihr Recht... Sarrazin hat ganz andere Ziele als wir!
Wie wäre es denn mit folgender Idee: nächster Blickpunkt (Ich weiß er ist eher für regionale Themen) ein schöner Text rein - genug Material und kreative Kompetenz dürfte ja vorhanden sein ;-). Was wir schon immer gesagt haben... Volkstod; Überfremdung; usw. Aber wie immer klar die Ursache benennen, volksfeindliche Politik; wieso Multikulti nicht funktionieren kann (80 % hört sich gut an - Quelle?) Dann unsere Lösung, die sich natürlich klar von Sarrazin´s unterscheidet!
Somit wären seine Aussagen eingebunden, aber wir distanzieren uns klar von seinen Zielen! Wäre das nicht eine Idee? Entschuldigt bitte meine grobe Beschreibung, aber für die Details seid ihr natürlich zuständig :-)
Gruß
Martin
30.08.10 um 19:18
antworten
@Fritz(7): Die Thematisierung Sarrazins könnte auch im "Blickpunkt" nicht anders sein, als in den Artikeln hier. Wozu Aussagen des Typen in einem anderen Zusammenhang darstellen, als sie sind. Weil sie damit "Gesellschaftsfähiger" werden? Wem willst Du damit eigentlich erreichen? Denjenigen, der ohne Sarrazin nicht erkennt, was hier los ist, der solange "Jawohl!" schreit, bis der nächst kurzsichtige Parteienvertreter (Staubsaugervertreter machen das nicht anders) kommt, der überreden und die Köpfe erhitzen will - damit am Ende alles genau so läuft wie bisher, damit wir als Volk sterben?
Phillip
30.08.10 um 19:36
antworten
@Fritz(7):
Du kannst auch Artikel von Seiten wie dieser einfach mit einem Laserdrucker vervielfältigen und dann in deiner Gegend verteilen - das mach ich genauso! Toner-Nachfüllung kostet heutzutage 7 Euro und da bekommt man 3.000 Blatt raus! ;-)
Vorteil: Wenn es kontinuierlich erfolgt, schaffst du eine Gegenöffentlichkeit und die Leute in deinem Ort hören vom Volkstod dann nicht das erste mal, wenn es ein Herr Sarrazin ausspricht...
Fritz
30.08.10 um 20:09
antworten
@Martin(8): Ich will die erreichen, die nun denken,dass Sarrazin bzw. eine rechtspopulistische Partei die Lösung wäre (und sie wird kommen).
Sich unbedingt von den Zielen Integration usw, zu distanzieren und unsere Ziele/Lösungen entgegensetzen, denn sonst besteht durchaus die Gefahr, dass eben das passiert, was wir nicht wollen, nämlich mit denen in einen Topf geworfen zu werden.
Wenn wir jetzt zu diesem Thema schweigen oder "nur" Internetpräsens zeigen, könnte nämlich genau das dazu führen.
Ich kann dem Großteil der Bevölkerung da auch keinen Vorwurf machen sie denken nun einmal in dem Schema: Rechts= NPD/Blickpunkt/und nun von den Medien dazu gemacht Sarrazin.
Ich denke wir müssen nun sogar reagieren, damit diese Denkweise durchbrochen wird.
@Philip: Dem werde ich nachgehen